Gesundheitsforschung und Medizintechnik: Einen Wachstumsmarkt entfesseln

Die Forschung im Bereich Gesundheit hat wesentlich dazu beigetragen, dass die allgemeine Lebenserwartung in den letzten 50 Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Dennoch ist die überwiegende Zahl der Krankheiten noch nicht ursächlich heilbar. Biomedizinische Grundlagenforschung gibt Erfolg versprechende Einsichten in die Ursachen und Entstehungsprozesse von Krankheiten. Hierauf aufbauend können Diagnostika und Therapeutika mit hoher Spezifität und geringen Nebenwirkungen entwickelt werden.

Durch neue Erkenntnisse der Ernährungsforschung und Prädispositionsforschung wird es möglich, individualisierte Präventionsstrategien für den Einzelnen anzubieten, die es erlauben, mehr Eigenverantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. Eine übersektorale IT-Vernetzung erlaubt eine bessere Information für die Patienten und Patientinnen, eine effizientere Organisation des Gesundheitssystems sowie eine Verbesserung bei multizentrischen klinischen Studien, die Patienten einen früheren Zugang zu neuen Medikamenten eröffnen.

Gesundheit ist nicht nur wichtig für jeden Einzelnen, sondern auch gesellschaftlich hoch bedeutsam. Allein die gesetzliche Krankenversicherung verausgabt jährlich knapp 7 % des BIP. Davon werden rund 35 % für die Krankenhausbehandlung, 15 % für ärztliche Behandlungen und 16 % für Arzneimittel gebraucht. Gleichzeitig ist das Gesundheitssystem ein wachsender Zukunftsmarkt.

Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, die Patientenversorgung weiter zu verbessern und gleichzeitig kosteneffizienter zu gestalten. Sie unterstützt dafür die Überführung von Forschungsergebnissen in die Entwicklung neuer Diagnostika und Therapeutika. Auf dem Gebiet der regenerativen Medizin will Deutschland eine führende Rolle einnehmen. Die Bundesregierung strebt an, den Pharmastandort Deutschland durch bessere Bedingungen für klinische Studien wieder attraktiver zu machen und Deutschland als Leitmarkt für die Medizintechnik zu erhalten. Die Potenziale der IuK-Technologien sollen auch für die Gesundheitsversorgung genutzt werden.

Stärken Chancen
  • Medizintechnikbranche: Platz 2 bei Patenten und Welthandelsanteil hinter USA, hoher FuE-Anteil am Umsatz (ca. 10%); hochaktuelle Produktpalette; wachsende Zahl von Unternehmen; weltweit führende Firmen bei Bildgebung, Kontrastmitteln und Bio-Chips.
  • Biomedizin: International anerkannte Kapazitäten in der Grundlagenforschung, Forschungslabore einzelner hoch spezialisierter Pharmaunternehmen
  • Entwicklung neuer Therapeutika und Diagnostika: Individualisierte und schonende Therapien.
  • Wachstumsmarkt Gesundheit: Alternde Bevölkerung und Zunahme chronischer Erkrankungen.
  • IT-Infrastruktur: Prozessoptimierung bei der Patientenversorgung möglich.
  • Medizintechnik: Führende Stellung sichern.
  • E-Health: Einführung von Gesundheitskarte und Patientenakte.
Schwächen Herausforderungen
  • Pharmabranche: FuE-Ausgaben weit hinter USA und UK zurückgefallen; Zulassungsstudien vorwiegend im Ausland.
  • Biomedizin: Zusammenarbeit von Unternehmen mit der Grundlagen- und klinischen Forschung schwach entwickelt. Wenig anwendungsreife Produkte.
  • Klinische Forschung: Studienkultur ausbaufähig.
  • Fragmentierter EU-Markt: Uneinheitliche Marktbedingungen für neue Produkte.
  • Gesetzliche Rahmenbedingungen: Mögliche Innovationshürde, so z. B. Problematik der Finanzierung des Versorgungsanteils bei klinischen Studien.
  • Regularien: Leitmarktfunktion für Medizinprodukte davon abhängig, wie Kostenerstattungsregelungen im Gesundheitswesen gestaltet sind
  • Kostendruck: Gesundheitsökonomische Aspekte medizinischer und medizintechnischer Innovationen stärker als bisher berücksichtigen.
  • Hoher FuE-Bedarf bei hohem finanziellem Risiko: Entwicklung neuer Therapieansätze und in der regenerativen Medizin sehr kostenintensiv und risikobehaftet.

Forschung für Anwendungen in der Medizin

Die international erfolgreichsten Innovationsmodelle im Bereich Biomedizin zeigen, dass eine enge Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft und Medizin in diesem Zukunftssektor die besten Ergebnisse erzielt. Die "Task Force zur Verbesserung der Standortbedingungen für die pharmazeutische Industrie in Deutschland" und der "Interministerielle Arbeitskreis für regulatorische Fragen der Biomedizin und Bioethik" binden daher alle Akteure des Gesundheitssystems ein, die gemeinsam Empfehlungen verabschieden. In Vorbereitung auf das nächste Gesundheitsforschungsprogramm, das Ende 2007 verabschiedet werden soll, wurde vom Gesundheitsforschungsrat ein Roadmap-Prozess initiiert.

Forschung im Bereich der Grundlagenforschung

Voraussetzung für die Entwicklung innovativer Diagnostika und Therapeutika ist eine detaillierte und umfassende Kenntnis der Ursachen und Entstehung von Krankheiten. Zentrales Element dieser Ursachenforschung ist die Vernetzung von krankheitsübergreifenden, systematisch und methodisch ausgerichteten Forschungsansätzen mit krankheitsbezogener Genom- und Postgenomforschung unter anderem im Rahmen der Förderung des Nationalen Genomforschungsnetzes.

Neue Verfahren des Wirkstofftransports über Nanopartikel sollen die Therapie am Krankheitsherd ermöglichen, Nebenwirkungen reduzieren und den Einsatz ganz neuer, bislang aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften nicht verwendbarer Medikamente ermöglichen. Hier ist ein neuer Förderschwerpunkt geplant.

Forschung im Bereich der Translation

Die molekularen und zellulären Ursachen der Krankheitsentstehung müssen mit Hilfe translationaler Forschungsansätze für die Entwicklung einer innovativen molekularen Diagnostik und für neue Therapieansätze nutzbar gemacht werden. Im Bereich der präklinischen Forschung besteht ein erhebliches Potenzial, die Vorhersagbarkeit von klinischer Wirksamkeit und Sicherheit eines Wirkstoffes beim Menschen zu verbessern, indem humanrelevante und wirkungsmechanistisch validierte In-vitro-Testverfahren und pathophysiologisch relevante Tiermodelle eingesetzt werden. Dies wird im Rahmen der geplanten Bekanntmachung "Innovationen in der Medikamentenentwicklung" gefördert und fügt sich in europäische Projekte und Programme ein (6. und 7. FRP).

Mit den regionalen "Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren" wird die patientenorientierte klinische Forschung gestärkt, Patientinnen und Patienten der Zugang zu neuen Therapieansätzen eröffnet und die Universitätsmedizin bei der Schaffung zukunftsweisender Strukturen unterstützt. In überregionalen, thematisch orientierten "Kompetenznetzen in der Medizin" arbeiten die besten Wissenschaftler mit unmittelbar am Patienten tätigen Ärzten zusammen. Diese Form der Vernetzung von Akteuren in Forschung und Versorgung soll in den "Krankheitsbezogenen Kompetenznetzen" fortgeführt werden, wobei die Industrie eingebunden werden kann. Forschung soll auch auf diesem Wege schnell in die Versorgung kommen, die Belange der Krankenversorgung direkt von der Forschung aufgegriffen werden.

Die durch die Bundesregierung geförderte Einrichtung und Förderung "Klinischer Studienzentren" an medizinischen Fakultäten und Kliniken optimiert die Durchführung von aus der Wissenschaft initiierten Studien sowie Studien im Auftrag der pharmazeutischen und medizintechnischen Industrie, und ermöglicht so den frühen Zugriff der Patienten und Patientinnen auf neue Therapien.

Diese drei aufeinander abgestimmten Ansätze werden die patientenorientierte klinische Forschung in Deutschland international an die Spitze bringen. Die Konzertierung der Aktivitäten wird somit den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Deutschland stärken und für die pharmazeutische Industrie attraktiv machen. Es sollen wieder mehr klinische Studien in Deutschland durchgeführt und für Patientinnen und Patienten der frühe Zugang zu neuen Therapien eröffnet werden.

Körpereigene Regenerationsprozesse erforschen und therapeutisch nutzbar machen

Die Zunahme der Lebenserwartung führte zu einer Verlagerung der medizinischen Versorgung von Akuterkrankungen hin zu chronischen Erkrankungen, bei denen häufig nur die Symptome gelindert werden. Im Gegensatz dazu versprechen die neuen Konzepte der regenerativen Medizin kurative Behandlungsmöglichkeiten. Ziel der regenerativen Medizin ist der Ersatz von geschädigten Zellen bzw. Gewebe. Dazu zählen Zelltherapien und andere Verfahren, die das Regenerationspotenzial von Stammzellen nutzen. Der Übergang von symptomatischer Behandlung zu echter Heilung durch regenerative Therapien verspricht nicht nur eine Verbesserung der Lebensqualität der Patienten. Darüber hinaus können aufgrund der Vermeidung langfristiger Behandlungen auch erhebliche Entlastungen des Gesundheitssystems und der Volkswirtschaft resultieren.

Gegenwärtig gibt es experimentelle Ansätze zur Regeneration von Herzmuskelgewebe, Nerven- und Bauchspeicheldrüsenzellen im Tiermodell, einige wenige sind bereits am Menschen erprobt. Die medizinischen und wirtschaftlichen Potenziale der regenerativen Medizin sind vielfältig und heute noch nicht abschätzbar. Daher werden zwei unterschiedliche Maßnahmen gefördert. Zum einen wird in grundlagennahen Forschungsverbünden das Potenzial der regenerativen Medizin eruiert und erweitert. Zum anderen sollen auf technologisch fortgeschrittenen, klinisch relevanten Feldern mit sog. "Translational Research Clustern" neue wissenschaftlich-organisatorische Ansätze unterstützt werden, die eine Beschleunigung des Übergangs von naturwissenschaftlich-grundlagennaher Forschung in die klinische und pharmazeutische Praxis zum Ziel haben. Eingebunden werden die gesamte Wertschöpfungskette in der regenerativen Medizin, aber auch Kostenträger und Regulierungsinstanzen. Im Rahmen prototypischer Umsetzungskonzepte werden für dieses Feld spezifische Umsetzungsdefizite angegangen.

Medizintechnik weiterentwickeln

Innovative Medizintechnologien können neben den Vorteilen für die Patienten auch für Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen im Gesundheitssystem sorgen. Die überwiegend mittelständisch geprägte Medizintechnik hat in Deutschland eine lange und erfolgreiche Tradition. Mehr als die Hälfte des Umsatzes wird mit Produkten erzielt, die weniger als zwei Jahre alt sind. Dazu gehören z. B. chirurgische Instrumente und Geräte zur Unterstützung der Patienten und Patientinnen, aber auch neue In vivo- und In vitro- Diagnose-Geräte, die mit der Entwicklung neuer Therapien einhergehen. Der Förderschwerpunkt Bildgebung zielt auf den Nachweis biologischer Prozesse im Frühstadium einer Krankheit. Die Verfahren müssen krankheitsspezifische Signale erkennen und im Bedarfsfall direkt bei der Operation einsetzbar sein. Die volkswirtschaftliche Betrachtung zur Kostensenkung durch neue, validierte Diagnostika muss in Zukunft verstärkt Einfluss auf deren Zulassung nehmen.

Medizintechnik kann in einer alternden Gesellschaft Patientinnen und Patienten mit Behinderungen helfen, ein selbständiges Leben in Aktivität und mit Teilhabe an der Gesellschaft zu führen. Um diese Entwicklungen schnell nutzen zu können, muss die frühzeitige Verbindung zwischen Technik und Medizin und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Kostenträgern und Wirtschaft weiter vorangetrieben werden.

Zur Bündelung und Fokussierung der Förderaktivitäten ist die Erstellung eines Aktionsplans Medizintechnik vorgesehen. Hier werden alle BMBF-Aktivitäten zur Medizintechnik, insbesondere auch die Neuerungen aus den Querschnittstechnologien, wie den optischen Technologien (z. B. Biophotonik) oder der Mikrosystemtechnik (z. B. intelligente Implantate) zusammengefasst. Die Vorhaben werden in der Regel in Verbundprojekten zwischen Wissenschaft, Klinik und Industrie bearbeitet, die überwiegend unter Federführung der Industrie stehen.

Voraussetzung für eine weitere Verbesserung der deutschen Position auf dem Weltmarkt ist eine Erhaltung der Leitmarktfunktion für Medizinprodukte in Deutschland. Die Einführung neuer Medizinprodukte hängt neben der Höhe der FuE-Kosten und den Kosten für die Zulassung entscheidend auch von der Erstattungsfähigkeit durch die Krankenkassen ab, daher sind transparente Kostenerstattungsregeln im Gesundheitswesen notwendig.

Prävention stärken

Viele Erkrankungen können durch einen gesundheitsfördernden Lebensstil, Vorsorgemaßnahmen und frühe Diagnostik verhindert oder in ihrem Ausmaß reduziert werden. Die Lebensqualität für die betroffenen Menschen erhöht sich, während sich die Ausgaben für das Gesundheitssystem damit möglicherweise verringern lassen. Im Förderschwerpunkt Präventionsforschung werden Vorhaben zur Prävention bereits gefördert. Weitere Forschungsanstrengungen sind z. B. bei der genetischen Prädisposition, der Bewegungs- und Ernährungsforschung und der Nutrigenomik, die als Grundlage für eine wissensbasierte Präventionsstrategie dienen, notwendig. Prävention ist auch eine Frage des Lebensstils. Daher sind Informationen notwendig, die das Engagement des Einzelnen stärken und unterstützen.

Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen ausbauen

Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und der elektronischen Patientenakte werden langfristig zur patientenzentrierten Reorganisation der bisherigen medizinischen Versorgungsprozesse führen. Mit der elektronischen Gesundheitskarte wird die informatorische Basis für integrierte Versorgungsprozesse geschaffen. Sie ist gleichzeitig Grundlage für die Integration medizintechnisch gestützter Versorgungsprozesse in sektorübergreifenden Behandlungsketten. Durch die elektronische Gesundheitskarte werden aktive Mitwirkungsrechte der Patientinnen und Patienten im Versorgungsprozess nachhaltig erweitert. Sobald die Arbeiten zur erfolgreichen Einführung der Gesundheitskarte abgeschlossen sind, wird die Bundesregierung die Einführung der Patientenakte vorantreiben.

Leuchtturm elektronische Gesundheitskarte
Ein vernetztes Gesundheitssystem steigert nicht nur die Qualität der Versorgung, sondern arbeitet auch effizienter und Kosten sparender. Voraussetzung hierfür ist eine informationstechnische Vernetzung aller Beteiligten in der Gesundheitsversorgung, wie sie mit der elektronischen Gesundheitskarte und ihrer Telematikinfrastruktur angestrebt wird. Die elektronische Gesundheitskarte ist Grundlage und damit ein Einstieg in andere wichtige Telematikanwendungen, wie z. B. die elektronische Patientenakte.

Das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung, das am 01.01.2004 in Kraft getreten ist, bildet die rechtliche Grundlage für die schrittweise Weiterentwicklung der Krankenversichertenkarte zur elektronischen Gesundheitskarte. Ende 2005 hat die Testphase mit Labortests begonnen, mit der die Basis dafür gelegt wird, dass die elektronische Gesundheitskarte in acht Bundesländern getestet werden kann. Bei diesen Tests geht es - neben dem Nachweis der Praxistauglichkeit der technischen Lösungen - auch darum, den Nachweis zu führen, dass die hohen Datenschutzanforderungen im Interesse der Patientinnen und Patienten eingehalten werden.

 

Innovationspotenzial der Neurowissenschaften erschließen

Das Potenzial der Neurowissenschaften muss durch Aufgreifen neuester Forschungsansätze genutzt werden. Der interdisziplinäre Ansatz der Computational Neuroscience (CNS) ermöglicht eine erhebliche Beschleunigung der neurowissenschaftlichen Forschung insbesondere auch durch die Nutzung der Möglichkeiten der Computersimulation als wichtige Ergänzung zum Experiment. Der Fortschritt in den Neurowissenschaften, d.h. die Aufklärung der Wechselwirkung von neuronaler Dynamik und Informationsverarbeitung durch die Erfassung, Modellierung und Simulation von Lebensvorgängen wird dazu führen, biologische und informationstheoretische Prinzipien nutzbar zu machen für neue Lösungsansätze für Erkrankungen des Nervensystems, hochleistungsfähige Rechnersysteme und Neurotechnologien. Daneben sind Auswirkungen auf den Bildungsbereich, wenn auch mit zeitlicher Verzögerung, zu erwarten.

Das BMBF hat mit der Etablierung des "Nationalen Netzwerks Computational Neuroscience" interdisziplinäre Kapazitäten gebündelt, verstärkt und international sichtbar gemacht. Neben den Bernstein Zentren, den Bernstein Partnern und dem international vergebenen Bernstein Preis, wird ein Ausbau erfolgen, der eine weitere Zusammenführung von Forschung und Anwendung anstrebt.

Rahmenbedingungen innovationsfreundlich gestalten

Grundsätzlich müssen Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass sie einerseits die Nutzung von neuen Produkten für den Gesundheitsbereich so wenig wie möglich behindern, aber andererseits die für die Gesundheitsversorgung notwendigen Grundlagen sichern. Die Bundesregierung wird im Rahmen ihrer Gesundheitsreform diesen Aspekten Rechnung tragen. Die medizinische Behandlung muss weiterhin qualitativ hochwertig und gleichzeitig sowohl klinisch als auch betriebswirtschaftlich kosteneffizient gestaltet sein. Dazu sind zügige und sichere Zulassungsverfahren für Diagnostika, medizintechnische Geräte und neue Versorgungs- und Therapiekonzepte von grundlegender Bedeutung. Dies gilt ebenso für die frühzeitige Einführung innovativer Arzneimittel. Die Umstrukturierung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und die Übernahme von Versorgungskosten durch die Krankenkassen für Krankenhauspatienten, die im Rahmen klinischer Studien behandelt werden, sind wichtige Verbesserungen für die Durchführung klinischer Studien. Regelungen zur Kostenübernahme von Versorgungskosten durch die Krankenkassen im Rahmen klinischer Studien im ambulanten Bereich werden angestrebt. Darüber hinaus wird geprüft, den Krankenkassen zu ermöglichen, Forschungsarbeiten wie z. B. versorgungsrelevante Studien und Versorgungsforschung in Auftrag zu geben. Die Umsetzung europäischen Rechts im Arzneimittel- und Medizinproduktebereich in deutsches Recht sollte so ausgestaltet werden, dass sie nicht zu besonderen Erschwernissen bei der Erforschung und Entwicklung von neuen und innovativen therapeutischen Ansätzen führt. Die Bundesregierung wirkt außerdem darauf hin, dass die GxP-Zertifizierung im internationalen Bereich wechselseitige Anerkennung findet (besteht derzeit nicht mit den USA). Um die Markteinführung neuer Therapien, Diagnostika und medizintechnischer Produkte zu erleichtern, müssen neben der qualitativen Verbesserung der Versorgung auch mögliche langfristige Einsparpotenziale volkswirtschaftlich betrachtet und in die Kostenübernahme einbezogen werden.

Biomedizin besitzt innerhalb des Spektrums der bio-basierten Hochtechnologien das größte Vertrauen in der Bevölkerung. Diese Vertrauensbasis wird auch weiterhin durch hohe Transparenz in der Forschung, durch begleitende bioethische Debatten und Aufklärung über die Möglichkeiten und Risiken der zugrunde liegenden Technologien gestärkt werden. Politische Strategien zur Entwicklung der Biomedizin werden auch weiter die bioethischen und sozialen Aspekte beinhalten.

Erste Bilanz

Verschiedene Initiativen der Bundesregierung - genannt sei hier nur die klinische Forschung und die Pharma-Initiative - zielen in der Gesundheitsforschung darauf ab, den Weg vom Forschungsergebnis bis zur Umsetzung zu verkürzen. In der Medizintechnik haben sich Firmen in Deutschland mit kontinuierlicher Innovation und nachhaltiger Forschung einen Platz an der Weltspitze gesichert. Die Hightech-Strategie will die Bundesrepublik als Leitmarkt für die Medizintechnik erhalten und langfristig ausbauen.

Die in der Hightech-Strategie 2006 definierten und seither weiter entwickelten Initiativen haben den folgenden aktuellen Stand.

Herausragende Initiativen

Neue Schubkraft für den Standort Deutschland - herausragende Initiativen.

  • Aktionsplan Medizintechnik

    In der Medizintechnik will Deutschland künftig seinen Platz an der Spitze behaupten. Das BMBF hat im Februar 2007 daher erstmals einen "Aktionsplan Medizintechnik" vorgelegt, mit dem die vielfältigen Förderaktivitäten des Bundes und unterschiedlicher BMBF- Programme unter drei herausragenden Themen gebündelt werden. Mit dem Fokus auf den drei Bereichen Bildgebungsverfahren, Medizintechnik in Rehabilitation und Pflege sowie Medizintechnik für die regenerative Medizin stärkt die Initiative den Medizintechnikstandort Deutschland.
    mehr (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/_media/BMBF_Aktionsplan_MT_07(-).pdf)
  • Pharma-Initiative

    Durch biotechnologische Methoden wurden in den letzten Jahren neue Therapieansätze für viele Krankheiten identifiziert, mit denen eine Therapie mit weniger Nebenwirkungen oder gar eine Heilung ermöglicht werden. Viele der Forschungsergebnisse stammen aus Deutschland. Medikamente entstehen aus dieser Forschung jedoch vielfach in anderen Ländern. Um dem Biotechnologie- und Pharmastandort neue Impulse zu geben, hat das BMBF die Pharma-Initiative für Deutschland gestartet.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/10540.php)

Die Initiativen im Einzelnen

Bessere Rahmenbedingungen, Profilierung der Medizintechnik - die Realisierung im Einzelnen

  • Roadmap-Prozess in der Gesundheitsforschung

    Der Gesundheitsforschungsrat (GFR) wurde 1990 vom BMBF berufen, um sich durch Expertinnen und Experten fachkundig beraten zu lassen. Der Gesundheitsforschungsrat hat 2004 beschlossen, für das nächste Gesundheitsforschungsprogramm der Bundesregierung eine Roadmap der medizinischen Forschung zu erarbeiten. Diese Roadmap liegt nun vor. Sie soll aus wissenschaftlicher Sicht Orientierung und Überblick zu den zukünftig wichtigen Themen der Gesundheitsforschung bieten.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/10953.php)
  • Infektionsforschung

    Die Infektionsforschung insbesondere zu Zoonosen (Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragbar sind) wird weiter ausgebaut. Von 2007 bis 2010 hat das BMBF Forschungsverbünde zu zoonotischen Erkrankungen mit 24,6 Millionen Euro gefördert, bis 2013 werden ca. 28 Millionen Euro bereitgestellt. Beteiligt sind außerdem die Bundesministerien für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und für Gesundheit (BMG). Durch verbesserte Zusammenarbeit von Veterinärmedizinern und Humanmedizinern soll die Übertragung von Erregern vom Tier auf den Menschen intensiver als bisher wissenschaftlich erforscht werden.
    mehr (URL: http://bmbf.de/de/1074.php)
  • Schwerpunkt versorgungsnahe Forschung

    Ein Schwerpunkt zur versorgungsnahen Forschung wird etabliert. Die Versorgungsforschung untersucht die Versorgung der Patienten unter Alltagsbedingungen. Der Förderschwerpunkt zur versorgungsnahen Forschung stößt auf große Resonanz. Die außergewöhnlich hohe Zahl von 650 Projektideen, die in den zwei Förderphasen eingereicht wurden, belegt das große Interesse am Thema und das enorme Innovationspotenzial, das derzeit in der Patientenorientierung sowohl in der Wissenschaft als auch in der Versorgung zu beobachten ist.
    mehr (URL: http://bmbf.de/de/6647.php)
  • Klinische Studienzentren

    Förderinitiativen zur Etablierung von Klinischen Studienzentren an Universitätskliniken, von bundesweiten Netzwerken zu wichtigen Krankheitsbildern sowie von Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren sollen die Bedingungen für klinische Studien in Deutschland verbessern. Seit 1998 hat das BMBF den Aufbau von insgesamt 12 zwölf Koordinierungszentren für Klinische Studien (KKS) mit einer Gesamtsumme von rund 38 Mio. € gefördert.
    mehr (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/klinische-forschung.php)
  • Molekulare Diagnostik und Medikamentenentwicklung

    Zur Verbesserung des Pharmastandortes werden Förderschwerpunkte zur Molekularen Diagnostik sowie Innovativen Medikamentenentwicklung aufgelegt.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/gesundheitsforschung.php)
  • Integrierte Forschungs- und Behandlungszentren

    Für den Aufbau entsprechender Zentren stellt das BMBF in den nächsten fünf Jahren ca. 120 Millionen Euro zur Verfügung. Hierdurch wird das Zusammenspiel von medizinischer Forschung und Krankenversorgung verbessert, damit Patienten schneller von wissenschaftlichen Durchbrüchen profitieren können. Ende 2007 wird eine zweite Förderrunde in Gang gesetzt.
    mehr (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/en/163.php)
  • Förderinitiative "Hightech für die Gesundheit"

    Die Förderinitiative "Hightech für die Gesundheit" zielt auf die Entwicklung medizintechnischer Verfahren, die frühe und genaue Diagnosen erlauben, schonende Therapien ermöglichen und dazu beitragen, frühzeitig die Wirkung von Medikamenten zu beurteilen.
    mehr (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/_media/BMBF_Aktionsplan_MT_07(-).pdf)
  • Regenerative Medizin

    Regenerative Medizin hat das Ziel, erkranktes Gewebe zu heilen, wiederherzustellen oder die natürliche Regeneration von kranken und verletzten Organen zu unterstützen. Das BMBF investiert in mehrere Fördermaßnahmen. Die zellbasierte regenerative Medizin wird seit 2005 mit vier Mio. Euro pro Jahr gefördert. In den nächsten vier Jahren werden je 15 Mio. Euro in das neue "Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien" und das Leipziger "Translational Centre for Regenerative Medicine" Zentrum investiert. Mitte 2007 wurde eine weitere Maßnahme zu alter nativen Verfahren der Gewinnung pluripotenter Stammzellen bekannt gegeben.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/1084.php)
  • Gesundheitsforschung des BMBF

    Gesundheitsforschung trägt dazu bei, mit Innovationen die Lebensqualität von Menschen aller Lebensalter, von Frauen, Männern und Kindern zu erhöhen und gleichzeitig die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems zu sichern. Ihr kommt deshalb eine große Bedeutung zu.
    mehr (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/index.php)
  • Elektronische Gesundheitskarte

    Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und die damit einher gehende Vernetzung im Gesundheitswesen treibt den flächen deckenden Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen voran und kann damit Effizienzpotenziale erschließen. Am 11.12.2006 erhielten 10.000 ausgewählte Versicherte in der Region Flensburg die bundesweit ersten elektronischen Gesundheitskarten (eGK). Die Gesundheitskarte wird zurzeit in mehreren Landesregionen getestet. Ziel ist es, die Funktionen der Gesundheitskarte schrittweise um Online-Dienste zu erweitern und die Telematikinfrastruktur weiter auszubauen.
    mehr (URL: http://www.die-gesundheitskarte.de/)
  • Forschungsagenda der Bundesregierung für den demographischen Wandel

    Mit der Forschungsagenda legt erstmals eine Deutsche Bundesregierung ein ressortübergreifendes Forschungskonzept zum demographischen Wandel vor. Die Bundesregierung bündelt hierin die Forschungsprogramme der Ressorts und richtet sie konsequent auf die Herausforderungen und Chancen einer Gesellschaft des längeren Lebens aus.
    mehr (URL: http://www.das-alter-hat-zukunft.de/startseite)