Interview mit Prof. Dr. Annette Schavan

Moderatorin: Am 28. Oktober 2009 hat Annette Schavan erneut ihre Amtsgeschäfte als Bundesministerin für Bildung und Forschung aufgenommen. An welchen Zielen und Plänen sie das Bundesministerium in den nächsten vier Jahren ausrichten will, verrät sie uns heute im Interview. Ich begrüße Sie ganz herzlich Frau Schavan.

Frau Schavan, Sie haben den Begriff der Bildungsrepublik Deutschland in das Zentrum Ihrer neuen Amtsperiode gestellt. Was muss man sich denn unter dem Begriff überhaupt vorstellen.

Prof. Dr. Annette Schavan: Bildungsrepublik meint eine Gesellschaft, die sich begeistert für Bildung, die weiß, Bildung und Erziehung, Wissenschaft und Forschung sind die Quellen für künftige Generationen, das ist die beste Zukunftsvorsorge. Und deshalb wollen wir in unserer wohlhabenden Gesellschaft Bildungsarmut überwinden, dafür sorgen, dass kein Kind verloren geht, wirklich jeder zu einem Schulabschluss kommt. Und das heißt, vor allem jetzt investieren in die frühkindliche Bildung, Kinder früh begeistern und angesichts der föderalen Ordnung alle Akteure zusammenbringen, die Städte und Gemeinden, die Länder und der Bund, sie wollen Bildungspartnerschaften eingehen, ein Bündnis für starke Bildung.

Moderatorin: Sie haben jetzt von den Kleinen gesprochen. Was ist denn mit den Großen, den Studierenden, den Hochschulen? Was können die denn erwarten?

Prof. Dr. Annette Schavan: Wir schaffen 275.000 neue Studienplätzen in den nächsten vier Jahren, wir werden das modernste System der Studienplatzvergabe auf den Weg bringen, es kommt eine neue Exzellenzinitiative, unsere Forschungsorganisationen bekommen jährlich fünf Prozent mehr, denn das Zusammenspiel etwa der jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler international wird immer bedeutsamer, nicht zuletzt, weil die großen Fragen unserer Zeit Erkenntnis aus der Wissenschaft brauchen.

Moderatorin: Stichwort Wissenschaft, Stichwort Forschung. Der Etat des Bundesministeriums wurde um 12 Milliarden Euro aufgestockt. Wo will man damit hin? Was will man erreichen?

Prof. Dr. Annette Schavan: 12 Milliarden mehr wird investiert, so viel wie nie zuvor. Wir wollen ein nationales Stipendienprogramm aufbauen, gemeinsam mit den Ländern. Wir werden BAföG sichern und weiterentwicklen, Aufstiegsstipendien, also Anreize geben, die Finanzierung erleichtern. Und dann, die großen Forschungsschwerpunkte Gesundheit, Energie und Klimaschutz, Mobilität, Kommunikation, Sicherheitsforschung, das werden die fünf Punkte der Hightech-Strategie sein, die wir nicht nur für Deutschland entwickeln, sondern für die wir auch werben wollen in Europa. Denn viele Themen werden am allerbesten auch in europäischer Perspektive bearbeitet. Und, ganz wichtig, ich möchte, dass es gelingt, diese Gesellschaft auch zu begeistern für unsere Forschungsthemen, Chancen zu erkennen, Perspektiven zu erkennen. Deshalb werden wir viel öffentlich diskutieren, wir werden die Forschungsmuseen unterstützen und wir wollen ein Haus der Zukunft bauen, wo dann viele schauen können, was tun eigentlich unsere Forscher und was sind die Möglichkeiten, die damit verbunden sind.

Moderatorin: Frau Schavan, vielen Dank für das Gespräch.


Prof. Dr. Annette Schavan: Bitteschön.