Die Hightech-Strategie 2020

Die Bundesregierung hat beschlossen, Bildung und Forschung trotz schwieriger finanzieller Bedingungen durch zusätzliche Mittel zu fördern. In dieser Legislaturperiode stellt sie hierfür 12 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung. Damit hat sie die Erfordernisse gezielter Wachstumsimpulse einerseits und einer notwendigen Haushaltskonsolidierung andererseits miteinander in Einklang gebracht. Sie folgt damit dem Ratschlag der Wirtschaftsweisen, die eine qualitative Haushaltssa-nierung in diesem Sinne empfohlen hatten.

Um bestehende Wachstumspotenziale zu heben und neue Perspektiven für die deutsche Wirtschaft zu eröffnen, ist diese beispiellose Investition in die Zukunftsfähigkeit Deutschlands von höchster Bedeutung. Denn in unserem Land ist schon heute der Anteil der Produkte und Dienstleistungen an der Wertschöpfung, die auf Forschung basieren, so hoch wie in keinem anderen Industrieland. Der Export von Technologiegütern trägt ein Fünftel der Wirtschaftsleistung in unserem Land.

Den strategischen Rahmen, um auf gesellschaftlich und wirtschaftlich wichtigen Schwerpunktfeldern Innovationen von Produkten, Verfahren und Dienstleistungen zu ermöglichen, setzt die Bundesregierung mit der Hightech-Strategie (HTS). Sie ist als zentrales Instrument zur strategischen Abstimmung der nationalen Innovationspolitik konzipiert. Konzeption und Umsetzung der HTS sind vom gemeinsamen Willen der gesamten Bundesregierung getragen, Forschung und Innovation ins Zentrum der politischen Agenda zu rücken. Die HTS wird sich in ihrer künftigen Konkretisierung auf alle Ressorts stützen. Insbesondere die Zukunftsprojekte werden über Ressortgrenzen hinweg ausgestaltet und umgesetzt.

Ziel der HTS ist es, Leitmärkte zu schaffen, die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu vertiefen und die Rahmenbedingungen für Innovationen weiter zu verbessern.

  • Deutschland soll zum Vorreiter bei auf Wissenschaft und Technik beruhenden Lösungen auf den Feldern Klima/Energie, Gesundheit/Ernährung, Mobilität, Sicherheit und Kommunikation werden. Die HTS wird auf diese Felder fokussiert; hierdurch werden auch Impulse für Wachstum und Beschäftigung in Deutschland gegeben.
  • Mit Zukunftsprojekten werden ausgewählte Missionen ins Zentrum künftiger Forschungs- und Innovationspolitik gerückt. Zukunftsprojekte verfolgen konkrete Ziele wissenschaftlicher und technologischer Entwicklungen über einen Zeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren. Am konkreten Fall werden hier Innovationstrategien entwickelt und Realisierungsschritte geplant. Zu den nun vereinbarten Zukunftsprojekten gehören unter anderem "Die CO2-neutrale, energieeffiziente und klimaangepasste Stadt", "Auch im hohen Alter ein selbstbestimmtes Leben führen" sowie "Eine Million Elektrofahrzeuge in Deutschland bis 2020".
  • Nationale und europäische Forschungs- und Innovationspolitik werden eng miteinander verzahnt. Mit "Europa 2020" haben Kommission und Europäischer Rat einen ehrgeizigen Prozess angestoßen, der Bildung, Forschung und Innovation ins Zentrum einer europäischen Wachstumspolitik stellt. Deutschland wird auf dieser Grundlage zu einer kohärenten Forschungs- und Innovationspolitik in Europa beitragen.
  • Rahmenbedingungen für Innovationen in Deutschland werden weiter verbessert. Dies betrifft insbesondere Gründungsbedingungen, die besondere Situation des Mittelstands, eine ausrei-chende Finanzierung von Innovationen sowie die Bereitstellung von Wagniskapital.
  • Nicht zuletzt sind Forschung und Innovation auf den intensiven Dialog mit der Gesellschaft an-gewiesen. Deshalb werden neue Dialogplattformen eingerichtet, auf denen Bürgerinnen und Bürger Zukunftstechnologien und Forschungsergebnisse zur Lösung der großen globalen und gesellschaftlichen Herausforderungen intensiver diskutieren und ihre eigenen Vorstellungen einbringen können.

Missionsorientierter Ansatz: Zukunftsprojekte

Es ist ein Kernanliegen der neuen Hightech-Strategie, die Forschungs- und Innovationspolitik auf zentrale Missionen auszurichten. Dazu wird die Bundesregierung "Zukunftsprojekte" definieren, die zentrale Herausforderungen auf den einzelnen Bedarfsfeldern beispielhaft in den Blick nehmen. Diese Zukunftsprojekte verfolgen konkrete Ziele wissenschaftlicher und technologischer Entwick-lungen über einen Zeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren. Sie formulieren Innovationsstrategien zur deren Realisierung und sind Grundlagen für konkrete Roadmaps. Beispiele für prioritäre Themenfelder sind:

  • Die CO2-neutrale, energieeffiziente und klimaangepasste Stadt
  • Intelligenter Umbau der Energieversorgung
  • Nachwachsende Rohstoffe als Alternative zum Öl
  • Krankheiten besser therapieren mit individualisierter Medizin
  • Mehr Gesundheit durch gezielte Ernährung
  • Auch im hohen Alter ein selbstbestimmtes Leben führen
  • Eine Million Elektrofahrzeuge in Deutschland bis 2020
  • Effektiverer Schutz für Kommunikationsnetze
  • Mehr Internet bei weniger Energieverbrauch nutzen
  • Das Wissen der Welt digital zugänglich und erfahrbar machen
  • Arbeitswelt und -organisation von morgen

Hightech-Strategie nach Europa tragen

Die Bundesregierung will den erfolgreichen Ansatz der Hightech-Strategie nach Europa tragen. Es geht darum, gemeinsam kohärente innovationspolitische Ansätze in Europa zu gestalten. Der Mehrwert einer europäischen Innovationsstrategie liegt in erster Linie darin, mit Hilfe übergreifender innovationspolitischer Maßnahmen zur Realisierung europäischer Ziele beizutragen und die Bedarfsfelder Klima/Energie, Gesundheit/Ernährung, Mobilität, Sicherheit und Kommunikation auf europäischer Ebene zu etablieren.

Querschnittsthemen / Rahmenbedingungen

Für weitreichende Investitionsentscheidungen brauchen Unternehmen ein günstiges Innovations-klima und Planungssicherheit. Beide hängen von vielen politischen Einzelmaßnahmen ab. Ziel der Bundesregierung ist es, bestehende gesetzliche und außergesetzliche Regularien auf ihre Innovationsfreundlichkeit hin zu überprüfen. Neue Initiativen sollen so gestaltet werden, dass sie genügend Raum und Anreize für Invention und Innovation geben und die Innovationsfähigkeit von Unternehmen befördern.

Vom Wissen zum Produkt

Innovationen können nur gelingen, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse schnell und effizient wirtschaftlich verwertet werden. Die Bundesregierung wird Wissenschaft und Wirtschaft noch enger miteinander verzahnen. Sie wird eine neue Maßnahme zur Validierungsförderung starten, die das Potenzial von Ergebnissen der akademischen Forschung für eine wirtschaftliche Verwertung besser ausschöpfen soll. Geplant ist darüber hinaus die Entwicklung eines Förderinstruments zu neuen "Campusmodellen". Ziel ist es, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen mittel- bis langfristig mit der Wirtschaft zur Kooperation an einem Ort zusammenzuführen.

Dialog über Innovationen

Forschung und Innovationen brauchen den Dialog mit der Gesellschaft und der konkreten Arbeits-welt. Deshalb werden im Rahmen der Hightech-Strategie neue Dialogplattformen eingerichtet, auf denen Bürgerinnen und Bürger Zukunftstechnologien und Forschungsergebnisse zur Lösung der großen globalen und gesellschaftlichen Herausforderungen intensiver diskutieren können.

Zukunftsthemen

Die gezielte Vorbereitung auf zukünftige Entwicklungen verlangt Orientierungswissen. Im Foresight-Prozess, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung im September 2007 initiiert hat, werden neue thematische Optionen für die Zukunft untersucht und neue Horizonte für Tendenzen in Forschung und Entwicklung mit einer Perspektive von mehr als zehn Jahren eröffnet.

Forschungsunion

Die Forschungsunion begleitet als Expertengremium die Umsetzung der HTS. In der Forschungs-union arbeiten alle Ressorts der Bundesregierung mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Sie leistet so einen direkten Beitrag, die strategischen Ziele der HTS in die konkrete Förderung innovationsorientierter Forschung und Ausgestaltung der Rahmen-bedingungen umzusetzen.

Dokumente

  • Grafiken zur HTS 2020

    [PDF - 99,8 kB]

     (URL: http://www.hightech-strategie.de/_media/Graphiken_zur_HTS_2020.pdf)

Publikationen

Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)