Imagefilm "Spitzencluster in Deutschland"

Sie benötigen aktiviertes JavaScript und den Flash Player um das Video anzusehen.
 

Moderatorin: Herzlich willkommen, liebe Zuschauer. Wie können wir Deutschland nachhaltig an der Spitze der Technologienationen etablieren und wie können wir unseren Nachwuchs für die Berufe der Zukunft fit machen? Eine Antwort ist der Brückenschlag von Wissenschaft und Wirtschaft. Der Spitzencluster-Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung fördert diese Zusammenarbeit.

Moderatorin: Seit 2007 gibt es den Spitzencluster-Wettbewerb, der Partnerschaften von Unternehmen, wissenschaftlichen Einrichtungen und weiteren Akteuren einer Region in jeder Runde mit bis zu 200 Millionen Euro fördert. 10 Spitzencluster wurden bislang in 2 Runden von einer Jury ausgewählt. Wir sprechen mit der Schirmherrin, der Bundesministerin Prof. Dr. Annette Schavan.

Moderatorin: Frau Ministerin, warum hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung den Wettbewerb auf den Weg gebracht?

Bundesministerin Annette Schavan: Der Spitzencluster-Wettbewerb ist Teil der Hightech-Strategie. Wir wollen Forschung -Ergebnisse von Forschung- rascher in Wertschöpfung umsetzen. D.h., Initiativen werden gefördert, bei denen viele Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammenwirken und wirklich Neues auf den Weg bringen. Das ist eine der wichtigsten Weichenstellungen heute, um künftiges, um neues Wachstum und neuen Wohlstand zu generieren.

Moderatorin: Was muss ein Cluster mitbringen, damit er im Sinne des Wettbewerbs "Spitze" ist?

Bundesministerin Annette Schavan: Ein Cluster muss das Potenzial haben, an die internationale Spitzengruppe anzuschließen. Internationale Ausstrahlung ist ein zentral wichtiges Argument und natürlich, der Anteil an Innovation muss klar sein. Es sind Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft. Es sind Akteure, die nicht schlicht technologische Entwicklung betreiben, sondern ganz neue Wege gehen. Wirkliche Voraussetzungen für Innovation schaffen. Und wenn ich mir die zehn Spitzencluster ansehe, die jetzt zum Zuge gekommen sind in den ersten beiden Runden, dann sind es solche zu zentralen Themen, die uns nicht nur in der Forschungsagenda, sondern auch auf der internationalen politischen Agenda beschäftigen.

Moderatorin: Vielen Dank, Frau Ministerin.

Moderatorin: Im September 2008 wurden die ersten fünf Gewinner gekürt. Einer ist der Biotechnologie-Cluster in der Metropolregion Rhein-Neckar, kurz BioRN.

Beitragssprecherin: Im "HI-STEM" Institut werden Krebsstammzellen erforscht, die maßgeblich am Neuausbruch von Krebserkrankungen beteiligt sind. Das Stammzellnetzwerk ist einer der Schwerpunkte des Clusters.

Beitragssprecherin: Die Projekte werden durch das BioRN-Clustermanagement in Heidelberg koordiniert. Das angestrebte Ziel: Bis 2013 - 50 neue Arzneimittel, Diagnostika und Technologieplattformen zur so genannten industriellen Reife zu bringen.

Beitragssprecherin: Bei Cool Silicon beschäftigt man sich mit neuen Konzepten zur Energieeinsparung in der Halbleitertechnologie.

Beitragssprecherin: Mehr als 64 Unternehmen, Forschungseinrichtungen sowie öffentlich-private Partnerschaften aus der Region forschen gemeinsam im Bereich Energie-Effizienz.

Beitragssprecherin: Mittelfristig strebt Cool Silicon die Weltmarktführerschaft bei der Entwicklung energieeffizienter Informations- und Kommunikationstechnologien an.

Beitragssprecherin: Ebenfalls weltweit agiert der Luftfahrt-Cluster in der Metropolregion Hamburg. Mit 36.000 Beschäftigten gehört er zu den drei größten Standorten der zivilen Luftfahrtindustrie. Hier will man die Luftfahrt ökonomischer, ökologischer, komfortabler, zuverlässiger und flexibler machen.

Beitragssprecherin: Mit dem Cluster sind bereits 8.000 technologieorientierte Arbeitsplätze entstanden. Die Förderung trägt dazu bei, dass weitere geschaffen werden.

Beitragssprecherin: Der Cluster Forum Organic Electronics in der Metropolregion Rhein-Neckar entwickelt auf Basis elektrisch leitfähiger Kunststoffe umweltfreundliche Technologien wie hocheffiziente organische Solarzellen und energiesparende organische Leuchtdioden.

Beitragssprecherin: Im Heidelberger InnovationLab forschen Wissenschaftler aus Hochschulen und Industrie gemeinsam. Zum Beispiel an organischen Leuchtdioden-Folien, die sowohl Lichtquelle als auch Fernsehbildschirm sein können.

Beitragssprecherin: Experten prognostizieren für die Organische Elektronik einen Markt von mehreren hundert Milliarden Euro.

Beitragssprecherin: Der fünfte Spitzencluster nutzt den größten Energielieferanten überhaupt: die Sonne.

Beitragssprecherin: "Solarvalley Mitteldeutschland" ist eine einzigartige Kooperation aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Bundesländern, um Solarstrom wettbewerbsfähig zu machen.

Beitragssprecherin: Mehr als 40 Partner aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt kooperieren im Bereich Photovoltaik.

Beitragssprecherin: Ziel des Clusters: dem Endverbraucher Solarstrom zu gleichen Preisen wie herkömmlichen Strom anzubieten.

Moderatorin: Das waren die fünf Cluster der ersten Runde. Nun stehen fünf weitere Spitzencluster fest. Wir waren am 26. Januar 2010 bei der Pressekonferenz, auf der die Entscheidung der Jury bekannt gegeben wurde.

Beitragssprecherin: Große Spannung herrschte unter den zehn Finalisten und der Presse als Bundesministerin Schavan  die Gewinner der zweiten Runde in Berlin präsentierte.

Beitragssprecherin: Einer der Gewinner ist der Software-Cluster aus der Region um die Zentren Darmstadt, Kaiserslautern, Karlsruhe, Saarbrücken und Walldorf. 39 Partner forschen im Bereich Unternehmenssoftware der nächsten Generation.

Prof. Dr. Lutz Heuser, Direktor SAP Research und Cluster-Sprecher: Der Software-Cluster ist bereits jetzt Spitze in Europa, wir sind ganz klar die Nummer 1. Daher glauben wir mit dieser Auszeichnung jetzt die richtigen Zeichen zu setzen, um im internationalen Wettbewerb mit Amerika und Indien hier ganz klar einen Pflock in der Positionierung gesetzt zu haben.

Beitragssprecherin: Die Mikrosystemtechnik ist das Aushängeschild eines Clusters aus dem Südwesten Deutschlands. Im Dreiländereck gelegen und in Sichtweite zu Frankreich und der Schweiz liefert MicroTEC Südwest intelligente Antworten auf drängende Fragen zu den Themen Umweltschutz, Energieeffizienz und Ressourcenschonung. Ein Konzept, das perspektivisch der ganzen Region nutzen soll.

Eckehardt Keip, Vorstandsvorsitz des Clustermanagements Mikrosystemtechnik Baden-Württemberg e.V.: Die Innovation in der Mikrosystemtechnik wird es sein, kleiner, besser, preiswerter, hochvolumig fertigen zu können, um uns hier in hochvolumigen Märkten zu etablieren. Das hochvolumige wird kleinen und mittelständigen Unternehmen erlauben, Zugriff auf die Technologie zu nehmen und wiederum ihre Märkte national und international besser bedienen zu können.

Beitragssprecherin: Spitze ist auch der Münchner Biotech Cluster m4. Mehr als 100 Partner aus Industrie, wissenschaftlichen Einrichtungen und Kliniken beschäftigen sich mit den drängendsten Problemen der Medikamentenentwicklung. Ambitionierte Ziele, die man in München erreichen will.

Prof. Dr. Horst Domdey, Geschäftsführer der BioM "Biotech Cluster Development GmbH" und Sprecher des "Cluster Biotechnologie Bayern": Was das besondere an München ist, dass es hier weltweit wahrscheinlich zum ersten Mal versucht wird, einen solchen Innovationsschub an einem Ort durchzuführen. Es gibt dafür viele verschiedene Beispiele aus Pharma- aus Biotechindustrie, aber noch nie hat man es versucht, in dieser wunderbaren Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft an Hochschulen, zwischen Kliniken, Biotech- und Pharmaindustrie gemeinsam an einer Lokalität zu machen.

Beitragssprecherin: Zur drittgrößten Branche in Deutschland gehört der EffizienzCluster LogistikRuhr, der den Ressourcenverbrauch von Mobilität und Warenversorgung reduzieren will. Von der Förderung des Wettbewerbs profitiert der Cluster besonders aus internationaler Sicht.

Prof. ten Hompel Geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik: Hätten wir den Spitzencluster heute nicht gewonnen, würden wir wahrscheinlich morgen nach Shanghai, nach Singapur oder Atlanta fliegen, um mit unserer internationalen Kollegen an den Themen zu arbeiten. Ich denke, mit dem Spitzencluster werden die Kollegen aus Shanghai, Atlanta und Singapur nächstes Jahr zu uns kommen.

Beitragssprecherin: Den Kreis der Spitzencluster komplettiert Medical Valley Europäische Metropolregion Nürnberg. Der auf Medizintechnik spezialisierte Cluster entwickelt Produkte, Dienstleistungen und Lösungen, die helfen, die Effektivität der Gesundheitsversorgung überprüfbar zu verbessern.

Prof. Dr. Dr. Jürgen Schüttler, Stellvertretender Geschäftsführender Vorstand des Clusters Medical Valley EMN e.V.: Es geht darum, in dem Feld Medizintechnologie entscheidende Versorgungsschritte in der Krankheitserkennung und Versorgung zu optimieren. So zum Beispiel bei den diagnostischen Bereichen, bildgebende Diagnostik. Es geht darum früher Krankheiten zu erkennen und dann auch gezielter personalisiert zu therapieren und zwar mit innovativen Medizintechniksystemen.

Beitragssprecherin: Alle Cluster konnten sich durch eine überzeugende Strategie mit innovativen Projekten für die Förderung qualifizieren. Die ambitionierten Ziele, die auf bestehenden Stärken aufbauen, waren ebenso entscheidend wie Entwicklungspotentiale von hoher Dynamik und die Ausrichtung auf Zukunftsmärkte. Der Vorsitzende der Jury der zweiten Runde, Prof. Dr. Andreas Barner, ist davon überzeugt, dass der Wettbewerb die richtigen Weichen für die Zukunft stellt.

Prof. Dr. Dr. Andreas Barner, Juryvorsitzender der zweiten Wettbewerbsrunde und Sprecher der Unternehmensleitung der Boehringer Ingelheim GmbH: Wenn wir uns anschauen, wie Deutschland bisher durch die Wirtschaftskrise gekommen ist, dann war das zwar in einzelnen Industrien mit erheblichen Umsatzeinbußen assoziiert, aber insgesamt sind wir nicht so schlecht, wie manch anderer Staat bisher durchgekommen. Und ich glaube, dass gerade solche Initiativen wie der Cluster-Wettbewerb dazu helfen, dass Deutschland auf der Technologieseite auf der Umsetzungsseite zwischen Wissenschaft und Wirtschaft noch mal ganz deutlich vorankommen wird und deswegen denke ich, dass Deutschland in ein paar Jahren besser als andere aus der Krise herauskommen wird.

Moderatorin: Das sind erfolgversprechende Aussichten! Wir dürfen gespannt sein, welche weiteren Impulse zukünftig von dem Spitzencluster-Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und den Clustern ausgehen werden.