Die Raumfahrttechnologien sind Schlüssel der modernen Informations- und Industriegesellschaft. Kommunikation und Fernsehberichterstattung rund um die Welt, das Satellitennavigationssystem im Auto oder präzise Klima- und Wetteranalysen bis hin zu Notfallkartierungen, sie alle sind abhängig von Raumfahrttechnologien.
Der Umsatz der Branche mit hohem Anteil an kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) lag 2007 bei 1,46 Milliarden Euro. Die Bundesregierung investiert im Rahmen der Hightech-Strategie in den Jahren 2006 bis 2009 insgesamt 3,6 Milliarden Euro in die Raumfahrtforschung. Dies ist der größte Einzelposten.
Die Raumfahrtprojekte sind oftmals aufgrund ihrer Komplexität und hohen Kosten nur in internationaler Zusammenarbeit durchführbar. Deshalb ist Deutschland maßgeblicher Partner in der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Die ESA finanziert wissenschaftliche Missionen zur Erforschung des Weltalls und vergibt Aufträge an Raumfahrtunternehmen, um Großprojekte wie die europäische Beteiligung an der Internationalen Raumstation ISS oder das Trägersystem Ariane zu realisieren.
Mit Hilfe innovativer Raumfahrttechnologien können die Umweltschutzabkommen überwacht, Prognosen zu Folgen des Klimawandels gestellt sowie die effektive Bewältigung von Naturkatastrophen realisiert werden.
Bereits heute ist Deutschland in Europa führend beteiligt in Klimaforschung und Erdbeobachtung aus dem All.
Der in Deutschland gebaute ESA-Satellit GOCE wird im Rahmen der Grundlagen- und Umweltforschung nützliche Daten für die Ozeanographie und Geophysik und für die Erforschung des Meeresspiegels liefern.
Der deutsche Radarsatellit TerraSAR-X liefert hochauflösende, wetter- und tageszeitunabhängige Bilddaten. Im Jahr 2009 startet sein Zwillingssatellit TanDEM-X und wird Stereobilder der Erdoberfläche in hoher Auflösung liefern. Das optische Satellitensystem RapidEye schickt täglich Erderkundungsdaten und eröffnet völlig neue kommerzielle Möglichkeiten zur Nutzung dieser Daten in der Landwirtschaft, durch Versicherungen und auch in der Katastrophenhilfe.
Damit der geeignete Rahmen für den kommerziellen Erfolg innovativer Geschäftsfelder und Produkte geschaffen wird und auch deutsche Sicherheitsinteressen gewahrt werden, ist zum 1. Dezember 2007 das Satellitendatensicherheitsgesetz (SatDSiG) in Kraft getreten. Damit wird ein rechtlicher Rahmen geschaffen, der es den deutschen Unternehmen ermöglichen soll, sich auf dem internationalen Markt zu etablieren und rechtliche Planungssicherheiten zu erhalten.
Eine neue ESA-Initiative zur Überwachung des Klimawandels (CCI, Climate Change Monitoring Initiative) soll die Vereinheitlichung von globalen Klimadaten ermöglichen. Das europäische Satellitensystem Meteosat unter deutsch-französischer Führung geht in seine dritte Generation (Meteosat Third Generation, MTG) und wird entscheidende Beiträge zur verlässlichen Wettervorhersage sowie zur Krisenprävention bei bislang unvorhersehbaren Naturereignissen leisten.
Mit GMES (Global Monitoring for Environment and Security) verfolgt die EU den Aufbau eines umfassenden weltraumgestützten Erdbeobachtungssystems, bei dem Deutschland stark engagiert ist.
Das globale Satellitennavigationssystem Galileo bringt bis 2014 insgesamt 30 Satelliten ins All. Im größten Technologieprojekt der EU soll dann jede Position auf der Erde mit höchster Genauigkeit bestimmt werden können. Die ersten beiden Probesatelliten umkreisen bereits die Erde. Sie dienen der Erprobung und Weiterentwicklung des Systems. Für den Aufbau des Galileo-Satellitensystems haben sich zwei Konsortien unter Führung deutscher Unternehmen beworben.
Im Rahmen des von der ESA beschlossenen Europäischen Daten-Relais-Satellitensystems (EDRS) im geostationären Orbit bietet Deutschland für die optische Hochgeschwindigkeits-Kommunikation zwischen Satelliten weltweit einzigartige Hochtechnologien und ist führender Partner in diesem ESA-Programm.
Deutschland ist mit etwa 25 Prozent am Programm der "Ariane 5" sowie deren Fortentwicklung beteiligt. Ziel des Entwicklungsprogramms ist es, das System durch eine wiederzündbare, kryogene Oberstufe aus Deutschland flexibler zu machen und die Nutzlastkapazität zu steigern. Damit wird die "Ariane" auch künftig zwei kommerzielle Satelliten gleichzeitig ins All bringen können.
Das Wissenschaftsprogramm der ESA stellt sicher, dass die Weltraumforschung auch in Zukunft Flaggschiff der europäischen Raumfahrt bleibt. Im Programm Cosmic Vision 2015-2025 stehen mit prominenter deutscher Beteiligung die weitere Erforschung des Universums und unseres Sonnensystems, die Erforschung von Planeten und der Entstehung des Lebens sowie grundlegender Naturgesetze im Vordergrund. Auch in der Forschung unter Weltraumbedingungen behauptet Deutschland seine Führungsposition. Deutschland hat auf der ESA-Ministerratskonferenz 2008 erreicht, dass die Internationale Raumstation ISS als größtes wissenschaftlich-technisches Gemeinschaftsvorhaben der Menschheit auch künftig durch anspruchsvolle Projekte genutzt wird. Durch die Forschung unter Weltraumbedingungen auf der ISS wird der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn in Humanphysiologie, Biologie, Materialwissenschaften und Physik erhöht (European Programme for Life and Physical Sciences and Applications in Space, ELIPS). Der Anteil deutscher Forschung an diesen Experimenten verhilft Deutschland zur Führungsposition in Europa und einem der Spitzenplätze im weltweiten Vergleich.
Automatisierte Systeme und intelligente Roboter sind nicht nur Schlüssel künftiger Raumfahrttechnologien sondern auch "Sprungbretttechnologie" für die Anwendbarkeit auf der Erde. Um die weltweit anerkannte Expertise Deutschlands in diesen Bereichen weiter auszubauen, setzt die Bundesregierung im Nationalen Weltraumprogramm einen neuen Schwerpunkt in der Robotik.