Innovative Dienstleistungen: Größter Wertschöpfungsbereich mit dynamischer Entwicklung

Zunehmend steigt die Nachfrage nach Produkten, die mit begleitenden Dienstleistungen individuell auf Kundenwünsche zugeschnittenen sind. Produkte und Dienstleistungen werden immer häufiger als Komplettpaket angeboten. Das schafft Alleinstellungs- und Differenzierungsmerkmale, die im globalen Wettbewerb von Vorteil sind. Innovative Dienstleistungen haben eine Schlüsselfunktion für Wirtschaft und Innovationspolitik. Dem trägt die Bundesregierung mit ihrem Programm "Innovationen mit Dienstleistungen" Rechnung.
35 Prozent aller abhängig Beschäftigten - mehr als 27 Millionen Erwerbstätige - und ein erheblicher Teil der Selbstständigen sind in Deutschland im Bereich der wissensintensiven Dienstleistungen tätig. Damit ist dies der größte Wertschöpfungsbereich. Der Anteil der Dienstleistungen an der Wertschöpfung liegt bei rund 70 Prozent. Laut Expertenkommission Forschung und Innovation machen wissensintensive Dienstleistungen rund 37 Prozent der gesamten Wertschöpfung in Deutschland aus. Sie übersteigen deutlich den Wertschöpfungsanteil von Waren mit hoher Intensität im Bereich Forschung und Entwicklung (FuE). Dieser beträgt knapp 14 Prozent. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erweisen sich viele Dienstleistungen als krisenfest. Prognosen für das Jahr 2009 gehen davon aus, dass ausschließlich Dienstleistungsbranchen positive Wachstumsbeiträge in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung leisten. Bei den Prognosen für 2010 belegen Dienstleistungen die ersten sieben Plätze mit den höchsten Wachstumsbeiträgen.
Als wichtige Vorleistung für die FuE-intensive Industrie kommt innovativen Dienstleistungen eine besondere Bedeutung zu. Das Wachstum auf Zukunftsmärkten wie Logistik, Multimedia und Gesundheit ist damit eng verbunden. Noch deutlicher wird dies mit Blick auf den Strukturwandel in den USA: Es lässt sich ein Rückzug aus der Produktion forschungsintensiver Güter bei einer gleichzeitigen Spezialisierung auf wissensintensive Dienstleistungen beobachten.    

Was Dienstleistungen innovativ macht

Mit dem Programm "Innovationen mit Dienstleistungen" unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Erforschung von antreibenden und hemmenden Faktoren für Innovationen im Dienstleistungsbereich. Ziel ist es, die Innovationspotenziale moderner Dienstleistungen zu nutzen. Das Programm konzentriert sich auf Kernthemen der Dienstleistungswirtschaft und entwickelt Methoden und Instrumente zur Optimierung bestehender und Entwicklung neuer Dienstleistungen.  

Projektbeispiel
"Personal Health Manager"

Bewegungsmangel und Fehlernährung sind Ursachen für viele Erkrankungen. Krankenkassen und Arbeitgeber kämpfen mit hohen Kosten infolge von Herz-Kreislaufproblemen, Rückenbeschwerden oder Diabetes. Präventions- und Fitnessprogramme mit individuellem Coaching sind wirkungsvoll, stehen aber aus finanziellen Gründen nur wenigen Menschen zur Verfügung. Zugleich zwingt der Wettbewerbsdruck auch Fitnessdienstleister, die personalintensive Betreuung der Kunden zu beschränken. An diesem Punkt setzt der "Personal Health Manager" aus dem Forschungsprojekt "Sprint" (Systematisches Design zur Integration von Produkt und Dienstleistung - hybride Wertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft) an. Die Kombination aus Produkt (Fitnessgeräte, Pulsuhren, mobile Endgeräte) und Dienstleistung (Betreuungsleistungen, Trainingspläne) ermöglicht es Trainern, deutlich mehr Menschen zu unterstützen als dies ein individueller Coach könnte. Dabei sollen wiederkehrende Prozesse und Routineaufgaben automatisiert und unterstützt werden. Die gewonnene Zeit setzt der Trainer für regelmäßige persönliche Beratung ein. Die Trainierenden erhalten von ihm ortsunabhängig Trainingshilfen und können ihren Fortschritt dokumentieren. Das Projektvorhaben ist interdisziplinär aufgebaut und bündelt Kompetenzen aus der Wirtschaft und Wissenschaft in Teilgebieten der Betriebswirtschaftslehre, der Informatik, der Dienstleistungsgestaltung, des Innovations- und Technologiemanagements sowie der Sportmedizin. (www.projekt-sprint.de)
 
Der wirtschaftliche Stellenwert der Dienstleistungen spiegelt sich noch nicht ausreichend in Bildung und Forschung wieder. Der Vergleich mit den USA zeigt, dass die FuE-Intensität der Dienstleistungswirtschaft in Europa deutlich zurückliegt. So würde eine Erhöhung der FuE-Intensität auf US-amerikanisches Niveau dazu führen, dass die Lücke in den FuE-Intensitäten der Wirtschaft zwischen den USA und Europa um 80 Prozent geschlossen würde. Gemeinsame Anstrengungen von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sind nötig.

Gütesiegel "Services made in Germany"

Die Forschungsunion hat eine Reihe von Handlungsempfehlungen ausgesprochen. Dazu gehört die Einrichtung von Stiftungslehrstühlen mit Dienstleistungsschwerpunkt sowie die Entwicklung eines Gütesiegels "Services made in Germany". Ferner hat die Forschungsunion eine "Taskforce Dienstleistungen" ins Leben gerufen. Sie unterstützt die Umsetzung von Handlungsempfehlungen. Mit 35 teilnehmenden Unternehmen und Instituten steht die "Taskforce Dienstleistungen" für eine einzigartige Breite. Sie hat bereits große Dynamik für das Innovationsfeld und die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft bewirkt.
Die Bundesregierung ist der Empfehlung der Forschungsunion zur stärkeren Verbindung von Dienstleistungsforschung mit technologischer Forschung und anderen Forschungsfeldern mit weiteren Aktivitäten gefolgt: Mit den Wettbewerben "Gesundheitsregionen der Zukunft" und "Energieeffiziente Stadt" hat sie erste Pilotprojekte gestartet, in denen die Dienstleistungsforschung einen wesentlichen Beitrag zur Lösung der gesellschaftspolitischen Herausforderungen leistet. Gerade die Gesundheitslogistik ist zu einem wichtigen Zukunftsthema geworden. Die enge Verbindung von IKT und Mikrosystemtechnik mit Dienstleistungen steht im Mittelpunkt der Förderschwerpunkte zu "Technologie und Dienstleistungen im demographischen Wandel" und dem Programm "Ambient Assisted Living (AAL)" zur Unterstützung des selbstständigen Lebens im Alter. Weitere Maßnahmen sollen im Rahmen des Aktionsplans "Dienstleistungen 2020" folgen.


  • Technologien für Dienstleistungsprozesse

    Die Entwicklung von Technologien für Dienstleistungsprozesse - verbunden mit der Entwicklung entsprechender Dienstleistungen - wird in vielen technologiebezogenen Forschungsprogrammen gefördert. Beispielsweise fördert das Programm "Multimedia" des BMWi die Entwicklung von IKT-Dienstleistungen u. a. mit den Schwerpunkten Wissensmanagement und vernetzte intelligente Systeme.
    mehr (URL: http://bmwi.de/English/Navigation/Economy/service-industry,did=76818.html)

Ideen zünden TV

Mit Neugier fängt alles an! Jetzt öffnen Deutschlands Hightech-Labore ihre Tore. Ideen zünden-TV, der Web-Kanal des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, berichtet exklusiv über die innovativsten und wegweisendsten Technologien der Zukunft. Denn Forschung lohnt sich für uns alle!

Top 100 Erfindungen

Publikationen

  • Innovationen mit Dienstleistungen

    Titelbild der Publikation

    BMBF-Förderprogramm

    2009, 28 Seiten
    Bestell-Nr.: 30240

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Information

Weitere Informationen zu den Ergebnissen der Dienstleistungsforschung und dem Nachwuchswettbewerb finden Sie unter www.pt-dlr.de/pt/ad sowie unter http://www.dl2100.de/