
Die Biotechnologie ist eine typische Querschnittstechnologie mit "Servicecharakter" für zahlreiche anwendungsnahe Disziplinen: Medizin, Chemie, Physik, Informationstechnologie, Materialwissenschaften und andere. Schon heute ist der Einsatz biotechnologischer Verfahren in vielen Bereichen alltäglich. Längst werden Waschmittelenzyme, Vitamine, Lebensmittelzusatzstoffe oder Antibiotika mithilfe umweltfreundlicher biotechnologischer Verfahren hergestellt. Die Biotechnologie ist somit schon jetzt ein Innovationstreiber für mehr Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand.
Die Biotechnologie ist heute aus vielen Bereichen der Wirtschaft nicht mehr wegzudenken: sie ist Ausgangspunkt und Motor für zahlreiche Anwendungen in der Medizin, der Ernährungs- und Futtermittelindustrie und der chemischen Industrie. Sie wird von der Medikamentenherstellung über neue Diagnose- und Therapiekonzepte, der Produktion von Feinchemikalien bis hin zu Verfahren der Abwasserreinigung und Energiegewinnung aus Biomasse eingesetzt. Obgleich die Branche jung ist - über die Hälfte der heutigen Biotechnologie-Unternehmen sind erst nach 1996 entstanden -, entwickelt sie sich dynamisch.
Inzwischen sind rund 500 zumeist kleine und mittlere biotechnologisch ausgerichtete Unternehmen in Deutschland angesiedelt, mehr als in jedem anderen europäischen Land. Die Branche bildet einen neuen, hochinnovativen Bereich des Mittelstands. 45 Prozent forschen und entwickeln auf dem Gebiet Gesundheit/Medizin ("rote Biotechnologie"), fünf Prozent in der Landwirtschaft ("grüne Biotechnologie") und zehn Prozent im Bereich der industriellen Anwendungen ("weiße Biotechnologie"). Vier Prozent sind in der Bioinformatik tätig. Die verbleibenden 36 Prozent der Unternehmen erbringen ausschließlich oder überwiegend Dienstleistungen für andere Unternehmen oder sind als Zulieferer für diese tätig. Insgesamt arbeiteten 2009 rund 15.000 Beschäftigte in deutschen Biotechnologie-Unternehmen. Damit hat selbst in der Wirtschaftskrise die Zahl der Beschäftigten in der Biotechnologie zugenommen (2008: 14.500).
Die Bedeutung der Biotechnologie wächst auch in solchen Unternehmen, in denen Biotechnologie nur einen Teil des Geschäftes ausmacht. Hier waren zum Ende des Jahres 2009 bereits 16.500 Menschen im Bereich Biotechnologie beschäftigt. Zu diesen rund 100 Unternehmen gehören vor allem Pharma-, Chemie- und Saatgutfirmen.
Dominiert wird die deutsche Biotech-Landschaft nach wie vor von kleinen und mittleren Unternehmen. 88 Prozent der Firmen beschäftigen weniger als 50 Mitarbeiter. Allerdings gibt es einen kleinen Kern an Firmen, die beständig wachsen und einen zunehmenden Reifegrad zeigen. So können inzwischen 13 Prozent mehr als 50 Mitarbeiter vorweisen. Das größte deutsche Biotechnologieunternehmen hat mittlerweile 3.500 Mitarbeiter weltweit. Die 530 reinen Biotechnologie-Unternehmen haben im Jahr 2009 insgesamt einen Umsatz von rund 2,2 Milliarden Euro erwirtschaftet. Dies entspricht einem Zuwachs von 42 Prozent gegenüber 2005. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) liegen seit 2007 konstant bei knapp über 1 Milliarde Euro. Die Biotechnologie-Unternehmen gehören damit zu den Firmen mit den höchsten FuE-Ausgaben gemessen am Umsatz. Selbst in der Wirtschaftskrise erweisen sich die Biotechnologieunternehmen erstaunlich stabil, Umsatz und FuE-Ausgaben sind 2009 gegenüber 2008 nahezu gleich geblieben.
Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, den Biotechnologie-Standort Deutschland europaweit nicht nur hinsichtlich der Zahl der Unternehmen, sondern auch der Umsatz- und Beschäftigtenzahlen an die Spitze zu führen. Sie strebt an, Wachstumsbremsen zu identifizieren und ab zu bauen. Die Förderstrategie richtet sich an den Gliedern der Innovationskette aus. Neue Schlüsselfelder wie die weiße Biotechnologie sollen erschlossen werden.

2001, 48 Seiten
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