Klimaschutz, Ressourcenschutz, Energie

Das Weltklima verändert sich dramatisch: schmelzende Gletscher, extreme Dürreperioden, Naturkatastrophen. Deshalb müssen wir etwas für den Schutz unseres Klimas tun. Wir benötigen umweltfreundliche Energie: Erdwärme, Wind, Sonnenlicht - es gibt viele Ansätze, den Strombedarf unserer Gesellschaft ökologisch sinnvoll zu generieren. Die Hightech-Strategie setzt daher einen Schwerpunkt auf die Erforschung und Entwicklung zukunftsweisender Technologien, die zum Klimaschutz beitragen. Es gilt, den Energiebedarf Deutschlands sicherzustellen und gleichzeitig eine lebenswerte Umwelt durch verbesserten Klimaschutz zu erhalten.

Herausforderungen und Ziele

Das vorhandene Wissen zur Klimaentwicklung lässt keinen Zweifel aufkommen: Das Klima hat sich bereits verändert und wird sich weiter verändern. Zeichen der Erderwärmung sind vor allem der steigende Meeresspiegel, die abschmelzenden Gletscher und vermehrt extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Dürren, heftige Niederschläge und Stürme.
Die Schäden durch Wetterextreme, wie wir sie in den vergangenen Jahren immer wieder erlebt haben, sind Grund genug, ernsthaft und differenziert zu handeln. Klimaforscher sind jedoch auch der Meinung, dass sich das Klima selbst bei drastischen Schutzmaßnahmen in jedem Fall verändern wird. Darauf bereitet sich Deutschland schon heute vor und entwickelt die notwendigen Maßnahmen.

IPPC-Bericht der UNO - gesicherte Erkenntnis des Klimawandels

Der Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Chance (IPCC) der UNO besagt, dass sich die Erde in den vergangenen 100 Jahren im Mittel um 0,74 Grad Celsius erwärmt hat. Elf der vergangenen zwölf Jahre (Zeitraum 1995 bis 2006) gehören zu den zwölf wärmsten Jahren seit Beginn der instrumentellen Messung der globalen Erdoberflächentemperatur (seit 1850). Das heutige Niveau der Treibhausgase liegt deutlich höher als das natürliche Niveau in den vergangenen 650.000 Jahren. Die vorliegenden Messungen zeigen unmissverständlich, dass sich das Klima der Erde verändert und die Erderwärmung sich beschleunigt. www.ipcc.ch

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts ist die Nachfrage nach Rohstoffen enorm gestiegen. Das ist insbesondere auf die immens wachsende Nachfrage aus Schwellenländern wie Indien und China zurückzuführen. Effiziente Strategien für den Umgang mit Rohstoffen sind daher nötiger denn je. Es ist wichtig, die Rohstoffe umwelt- und sozialverträglich zu fördern, sie effizienter zu nutzen und durch andere Stoffe zu ersetzen. Die weltweit steigende Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen setzt eine massive Produktivitätssteigerung bei der Nutzung von Biomasse zur Nahrungsherstellung und Bioenergieproduktion voraus. Die bezahlbare, sichere und klimaverträgliche Energieversorgung ist eine Aufgabe, die sich der ganzen Welt stellt. Deutschland möchte eine Vorreiterrolle übernehmen und herkömmliche Energiesysteme effizient nutzen sowie neu entwickelte Technologien mit einem breiten Energiemix einsetzen. Die aktuell zur Verfügung stehenden Technologien reichen nämlich nicht aus, um die künftige Energie-Architektur entsprechend der wachsenden Anforderungen zu gestalten. Ein verändertes Denken und Handeln in Richtung nachhaltiges Wirtschaften ist unerlässlich.

Die Bundesregierung hat im Rahmen ihrer nationalen Nachhaltigkeitsstrategie einen ambitionierten Plan mit Zielen zum Klima- und Ressourcenschutz definiert:

  • Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel: Die Bundesregierung bietet als deutschen Beitrag für ein internationales Klimaschutzabkommen nach 2012 an, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Dieses Angebot steht unter der Voraussetzung, dass die Europäische Union im selben Zeitraum ihre Emissionen um 30 Prozent gegenüber 1990 reduziert. Gleiches gilt für andere Staaten, die vergleichbar ehrgeizige Ziele übernehmen müssen.
  •  Sparsame und effiziente Nutzung von Ressourcen: Die Energieproduktivität soll in Deutschland bis 2020 im Vergleich zu 1990 verdoppelt werden. Bis 2020 soll die Rohstoffproduktivität im Vergleich zu 1994 ebenfalls verdoppelt werden.
  • Nachhaltige und zukunftssichere Energieversorgung: Bis 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Verbrauch der Primärenergie (+10 %) und auf mindestens 30 Prozent des Stromverbrauchs gesteigert werden. Bis 2050 sollen erneuerbare Energien rund die Hälfte des Primärenergieverbrauchs decken.

Doppelter Nutzen von Innovationen für Klimaschutz und Umwelt

Nachhaltiges Wirtschaften, Erfolge aus der Forschung zum Klimaschutz und innovative Umwelttechnologien lohnen sich in doppelter Hinsicht: Sie erhalten unseren Lebensraum für künftige Generationen. Die Kosten des Nicht-Handelns wären immens: So schätzte der "Stern"-Bericht die Kosten für unterlassenen Klimaschutz auf ca. 5 bis 20 % des Weltbruttosozialprodukts - im schlechtesten Falle also auf 6 Billionen Euro pro Jahr.

Umwelt- und Klima-Investitionen bieten gleichzeitig große wirtschaftliche Potenziale. Für umwelt- und ressourcenschonende Produkte, Prozesse und Dienstleistungen wird mittel- und langfristig eine hohe Nachfrage erwartet: Auf etwa 1.000 Milliarden Euro beziffert zum Beispiel eine Studie von Roland Berger das Weltmarktvolumen der Umwelttechnologien in 2005. Seine weitere Entwicklung wird mit einer jährlichen Wachstumsrate von über fünf Prozent auf rund 2.200 Milliarden Euro im Jahr 2020 eingeschätzt (Schätzung vor der Finanz- und Wirtschaftskrise). Für die Leitmärkte Energieeffizienz und nachhaltige Wasserwirtschaft wird dabei die größte absolute Zunahme erwartet. Bei den erneuerbaren Energien (z. B. Windkraft, Solarenergie) schätzt man, dass sich der Weltmarkt in den nächsten 15 Jahren um den Faktor drei bis sechs vergrößert.

Deutschland hat sehr gute Chancen, die aussichtsreichen Leitmärkte bei Abwasser-, Luftreinhaltungs- und Abfalltechnologien für sich zu gewinnen. Für erneuerbare Energien, Technik im Anlagen- und Maschinenbau trifft dies ebenfalls zu. Auch mit Blick auf die aktuelle wirtschaftliche Lage sichern Investitionen in diese Technologien langfristig Arbeitsplätze und Wachstum in Deutschland.

  • Die Tendenz des deutschen Exports von Umweltschutzgütern ist steil steigend. Alle Bereiche der deutschen Umweltindustrie verzeichnen hohe Zuwächse bei den Mitarbeiterzahlen. Inzwischen arbeiten hier insgesamt 1,8 Millionen Menschen. Einen besonders hohen Anstieg gab es in den vergangenen Jahren in den Bereichen umweltfreundliche Energieerzeugung/erneuerbare Energien und Energieeffizienz.
  • Dem Bereich erneuerbare Energien sind 2007 in Deutschland 250.000 Arbeitsplätze zuzurechnen. Schätzungen zufolge könnten im Jahr 2020 hier 400.000 bis 500.000 Menschen beschäftigt sein.
  • Eine wesentliche Grundlage ist der Erfolg auf internationalen Märkten. Seit 2000 ist das Exportvolumen der deutschen Industrie bei den erneuerbaren Energien von 0,5 Milliarden Euro auf 9 Milliarden Euro in 2007 gestiegen.

Bilanz und Perspektiven

Die Innovationskraft Deutschlands und seine Fähigkeit zu technologischem Fortschritt wird genutzt, um die ehrgeizigen Ziele zu erfüllen. Gleichzeitig sollen Wachstum und Wohlstand weiter gestärkt werden. Um langfristig unsere Lebensgrundlagen und unseren Wohlstand zu bewahren, ist die Bundesregierung auf nachhaltiges Wirtschaften, gesteigerte Energie- und Rohstoffeffizienz sowie neue Kraftstoffe auf Basis alternativer Energiequellen ebenso angewiesen wie auf verbesserte Energiespeicher. Umwelt und Wirtschaft widersprechen sich nicht. Nachhaltiges Wirtschaften zum Schutz von Klima- und Umwelt ist vielmehr eine Voraussetzung für dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg und den Wohlstand unserer Gesellschaft.

Die Bundesregierung setzt deshalb auf ein in sich abgestimmtes Maßnahmenpaket mit neuen Konzepten und Initiativen. Die Bundesressorts haben sich auf eine gemeinsame Strategie geeinigt. Diese soll alle wechselseitigen Beziehungen und Rahmenbedingungen berücksichtigen, indem eine Fokussierung auf vordringliche Felder und tiefgreifende Innovationen erfolgt.

Übergeordnete Energie- und Klimapolitik mit Weitblick

Mit dem Integrierten Energie- und Klimaprogramm (IEKP) hat die Bundesregierung im Dezember 2007 das umfassendste Maßnahmenpaket zur Energie- und Klimapolitik in der Geschichte der Bundesrepublik beschlossen. Sie stellte damit wichtige Weichen für eine hochmoderne, sichere und klimaverträgliche Energieversorgung in Deutschland. Gleichzeitig sind Schritte für einen ehrgeizigen, intelligenten und effizienten Klimaschutz festgelegt. Das Paket umfasst 29 Maßnahmen, vor allem zugunsten von mehr Energieeffizienz und mehr erneuerbaren Energien. Es verbindet rechtliche Veränderungen und Investitionen in Forschung und Entwicklung. Beispiele sind: Schritte zur Veränderung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes, ein geändertes Energieeinsparungsgesetz und Energieeinsparverordnung (EnEV), Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes (EEWärmG). Ferner gehören dazu auch Maßnahmen zur Erleichterung der Biogaseinspeisung, das Gesetz zur Beschleunigung des Ausbaus des Höchstspannungsnetzes sowie die Umstellung der Kfz-Steuer auf Schadstoff- und CO2-Basis.

Die Ziele des IEKP lassen sich durch innovative Energietechnologien erreichen. Das betrifft einerseits die Angebotsseite, dort wo Energie hergestellt wird und andererseits die Nachfrageseite, also dort, wo Energie verbraucht wird. Die Bundesregierung hat daher Forschung und Innovation zu einem Schwerpunkt des IEKP ernannt.
Die Hightech-Strategie zum Klimaschutz bündelt in einem fachübergreifenden Ansatz verschiedene Maßnahmen und Akteure im Bereich Klimaschutz. Als ein Bestandteil der Hightech-Strategie für Deutschland stellt sie gemeinsam mit Partnern in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik die richtigen Weichen für modernste energie- und ressourcensparende Technologien:

  • Ausbau der Wissensbasis als Grundlage für Klimaschutz und Anpassung (z. B. über verlässliche Klimaprognosen und verbesserte Kurzfristwettervorhersagen insbesondere für extreme Wetterereignisse)
  • Forschung, Entwicklung und Demonstrationsprojekte, die die technologischen Perspektiven für den Klimaschutz verbessern und die deutsche Wirtschaft auf diesem wichtigen internationalen Zukunftsmarkt stärken
  • Wissen über den Klimawandel und seine Folgen sollen für Entscheidungen in Wirtschaft und Politik besser nutzbar gemacht werden (z. B. durch Gründung des Climate Service Center)
  • Über einen internationalen Dialog und Kooperationen weltweit Verantwortung übernehmen. Mit Blick auf die bestehenden globalen Herausforderungen müssen die Forschungsaktivitäten insbesondere im Bereich Klima- und Ressourcenschutz, Klimaanpassung und Umwelt in hohem Maße international ausgerichtet werden. Erforderlich sind daher international koordinierte Forschungsarbeiten.
  • Umwelttechnologien: Nachhaltiges Wirtschaften ist Innovationsmotor

    Schon heute ist Deutschland in den Umwelttechnologien führend. Für nachhaltiges Wirtschaften stehen innovative Konzepte, z. B. aus dem Bauwesen: Die Forschung arbeitet beispielsweise an energieeffizienten Niedrigenergiehäusern oder der Optimierung von Recycling-Maßnahmen.
    mehr (URL: http://www.hightech-strategie.de/de/201.php)
  • Modernste und effiziente Energietechnologien durch Forschung und Innovation

    Strom aus Wind ist umweltfreundlich und ressourcenschonend. Besonders auf dem Meer sind die Windtemperaturen enorm hoch und können so jede Menge Energie liefern. Offshore-Windparks nutzen diese günstigen Bedingungen. Riesige Rotoren fangen den Wind ein, leiten ihn an einen Generator, der daraus Strom erzeugt. Die Erforschung und Entwicklung derartiger moderner und effizienter Energietechnologien ist daher ein wichtiger Schwerpunkt der Hightech-Strategie.
    mehr (URL: http://www.hightech-strategie.de/de/200.php)
  • Globale Ernährungssicherung, Klimaschutz und Ressourceneffizienz durch Forschung und Innovation

    Der Klimawandel reduziert die Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung. Daher muss als Konsequenz die Produktivität der landwirtschaftlichen Urproduktion gesteigert werden. Die Hightech-Strategie leistet mit Hilfe von Forschung und Innovation im Innovationsfeld Pflanze dazu einen wesentlichen Beitrag.
    mehr (URL: http://www.hightech-strategie.de/de/187.php)

Ideen zünden TV

Mit Neugier fängt alles an! Jetzt öffnen Deutschlands Hightech-Labore ihre Tore. Ideen zünden-TV, der Web-Kanal des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, berichtet exklusiv über die innovativsten und wegweisendsten Technologien der Zukunft. Denn Forschung lohnt sich für uns alle!

Top 100 Erfindungen

Publikationen

  • Die Hightech-Strategie zum Klimaschutz

    Titelbild der Publikation

    2007, 52 Seiten

    Download [PDF - 1,79 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/hightech_strategie_fuer_klimaschutz.pdf)

Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)