Gesundheitsforschung: Impulse für vielversprechende, neue Forschungsfelder geben

Es war ein Meilenstein in der Geschichte der medizinischen Forschung, als 2001 das menschliche Genom vollständig entschlüsselt wurde. Insgesamt verteilt sich das menschliche Erbgut auf etwa 25.000 Gene. Schnell erkannte die Gesundheitsforschung, dass viele Erkrankungen, wie z. B. die Entstehung bestimmter Tumore, auf einen genetischen Defekt zurückzuführen sind. Und damit wird klar, welche Bedeutung die medizinische Genomforschung in Zukunft gewinnt. Das ist nur ein Bereich, der durch die Hightech-Strategie besonders gefördert wird.

Inzwischen zeigt die Förderung der medizinischen Genomforschung im Rahmen des Nationalen Genomforschungsnetzwerks (NGFN) [http://bmbf.de/de/1038.php als anwendungsorientiertes Programm erste Erfolge. Die Forschung gewann wichtige Erkenntnisse zu Ursachen und Entstehung von Krankheiten. Damit konnte die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen medizinischen Genomforschung gestärkt werden. Ein Indikator hierfür ist das große Interesse der Industrie.

In engem Zusammenhang mit dieser Thematik entstand in Deutschland das neue Forschungsfeld Systembiologie[ http://bmbf.de/de/1140.php]. Die Systembiologie versucht, die Gesamtheit der Vorgänge in unseren Zellen durch Verknüpfung von experimentellen Ansätzen mit mathematischen Methoden zu verstehen. Durch die maßgebliche Förderung der Bundesregierung gehört Deutschland heute auf diesem Forschungsgebiet zur internationalen Spitzengruppe. Gemeinsam mit den Bundesländern konnten neue interdisziplinäre Forschungsstrukturen aufgebaut werden. Unter Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sind europäische Strategien für die Entwicklung der Systembiologie entwickelt worden.

Ein ebenso junges wie erfolgversprechendes Forschungsfeld ist die regenerative Medizin[http://bmbf.de/de/1084.php]. Sie erforscht Prozesse der Zell-, Gewebe- oder Organfunktion und -regeneration, um daraus therapeutische Verfahren zu entwickeln. Bereits heute bestehen erhebliche Engpässe bei der Bereitstellung geeigneter Spenderorgane oder von Ersatzgewebe - und der Bedarf steigt. In Folge von Abstoßungsreaktionen sterben jährlich in Deutschland viele Tausend Patientinnen und Patienten. Bei einer geeigneten Behandlung hätten diese eine gute Überlebenschance. Das BMBF und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützten die Schaffung einer guten wissenschaftlichen Basis. Ziel ist es, die Erkenntnisse daraus rasch in eine Anwendung für die regenerative Medizin in Deutschland zu überführen (Translation). Die sogenannten Translationszentren für regenerative Medizin in Berlin, Leipzig und Rostock konnten sich als Kristallisationskeime für das Feld entwickeln.

In dem international aufstrebenden Forschungsfeld der Neuroinformatik (Computational Neuroscience[http://bmbf.de/de/3063.php]) gehört der Forschungsstandort Deutschland mit Hilfe der Förderung der Bundesregierung heute zur internationalen Spitzengruppe. Unter Computational Neuroscience versteht man die Verknüpfung experimenteller Neurowissenschaften mit Physik, Mathematik und Informatik zur Erforschung der Funktionsweisen des Gehirns bei Krankheits-, Denk-, Lern- und Alterungsprozessen. Das Nationale Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience (http://www.nncn.de) hat eine hohe Strahlkraft und Anziehung. Länder wie die USA streben eine engere Zusammenarbeit mit der deutschen Wissenschaft an.  Aktuell sind insgesamt über 200 akademische Forschergruppen und 22 Firmen aus ganz Deutschland am Bernstein Netzwerk beteiligt.

Mehr Wissen über gesunde Ernährung erschließen

Die Ernährungsforschung [http://bmbf.de/de/1033.php] geht der Frage nach, wie sich die Nahrung auf den menschlichen Stoffwechsel auswirkt. Dieses Basiswissen ist notwendig, um für die jeweilige Lebenssituation gezielte Ernährungsempfehlungen zu erarbeiten. Ziel ist es, Lebensmittel zu entwickeln, die die Gesundheit fördern. Sie sind entweder in der Lage, einer Krankheit vorzubeugen oder sie können durch ihre besonderen Eigenschaften den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Im Rahmen der Hightech-Strategie rückt die Umsetzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in Produkte und Verfahren stärker in den Mittelpunkt - dies vor allem durch eine stärkere Beteiligung von Industriepartnern in Verbundprojekten.

Projektbeispiel

Gesundheitsfördender Kaffee

Das Projekt "Coffeeprevention: Identifizierung, Prüfung und Optimierung gesundheitsfördernder Eigenschaften des Kaffees" untersuchte die positiven Einflüsse von Kaffee auf unser Wohlbefinden. Die Forscher entschlüsselten in Bezug auf die zelluläre Abwehr die wirksamen Inhaltsstoffe des Kaffees wie zum Beispiel die Chlorogensäuren. Zwei Studien an Menschen kamen zu folgendem Ergebnis: Die Studienteilnehmer verfügten in den Phasen, in denen sie den Testkaffee tranken über ein deutliches höheres antioxidativ-zelluläres Abwehrpotential als in den Phasen, in denen sie keinen Kaffee zu sich nahmen. Hieraus ergeben sich neue, grundlegende Erkenntnisse bezüglich der antioxidativen Wirkung von Kaffeegetränken. Mit diesem Wissen können neue Produkte entwickelt werden. mehr [http://www.bmbf.de/de/13941.php]

Neue Strukturen und Forschungskooperationen aufbauen

In den letzten Jahrzehnten zeigt sich eine deutliche Zunahme chronischer Erkrankungen in den westlichen Gesellschaften. Eine verbesserte Prävention könnte dazu beitragen, chronische Krankheiten zu verhindern oder zu mildern. In diesem Bereich wurde ein zuvor unübersichtliches Feld an Fachrichtungen, Präventionsanbietern und Praxispartnern erfolgreich zusammengeführt. Das so entstandene Fachgebiet der Präventionsforschung[http://bmbf.de/de/1236.php] ist nun in der Lage, Maßnahmen zur Vorbeugung in ihrer Wirkung zu belegen und wissenschaftlich zu bewerten.

Die Bundesregierung gründet Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) [http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/gefoerderte-zentren-und-institute.php als neue Forschungsstrukturen, um den Translationsprozess, d. h. die Überführung von Ergebnissen aus der Grundlagen- und der klinischen Forschung zum Wohle der Patienten in die medizinische Regelversorgung, noch schneller und effektiver zu gestalten. Mit diesem Leitgedanken sind die Zentren das Herzstück des Rahmenprogramms Gesundheitsforschung der Bundesregierung. 27 Standorte mit über 100 Hochschulen, Universitätsklinika und außeruniversitären Forschungseinrichtungen bilden die vier neuen DZG in den Bereichen Infektionskrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrankheiten und Krebs. Die Deutschen Zentren für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und für Diabetesforschung (DZD) mit insgesamt 13 Standorten und 20 Mitgliedseinrichtungen wurden bereits im Jahr 2009 gegründet.

Die Versorgungsforschung [http://bmbf.de/de/16170.php] ist die wissenschaftliche Basis, um Veränderungen im Gesundheitswesen und deren Auswirkungen zu beschreiben und zu untersuchen. Die Politik ist bei der Bewältigung unterschiedlichster Fragen auf die Ergebnisse der Versorgungsforschung angewiesen. Dazu zählt vor allem die sogenannte Leistungs- oder Ausgabenseite der gesetzlichen Krankenversicherung und der sozialen Pflegeversicherung. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) unterstützt deshalb seit vielen Jahren entsprechende Maßnahmen der Versorgungsforschung.  In den Jahren 2008-2009 wurden im Rahmen des "Leuchtturmprojekts Demenz" 29 Projekte gefördert, deren Ergebnisse im September 2010 in einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt und hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Versorgungssituation von Menschen mit Demenz erörtert wurden. Das neue Förderprogramm "Zukunftswerkstatt Demenz des Bundesministeriums für Gesundheit" [http://www.bmg.bund.de/pflege/demenz/zukunftswerkstatt-demenz.html] ist darauf ausgerichtet, bisher gewonnene Erkenntnisse aus dem Leuchtturmprojekt Demenz - wo notwendig - zu ergänzen und das vorhandene Wissen adäquat in der

  • Pharma-Initiative

    Durch biotechnologische Methoden wurden in den letzten Jahren neue Therapieansätze für viele Krankheiten identifiziert, mit denen eine Therapie mit weniger Nebenwirkungen oder gar eine Heilung ermöglicht werden. Viele der Forschungsergebnisse stammen aus Deutschland. Medikamente entstehen aus dieser Forschung jedoch vielfach in anderen Ländern. Um dem Biotechnologie- und Pharmastandort neue Impulse zu geben, hat das BMBF die Pharma-Initiative für Deutschland gestartet.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/10540.php)
  • Infektionsforschung

    Die Infektionsforschung insbesondere zu Zoonosen (Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragbar sind) wird weiter ausgebaut. Von 2007 bis 2010 hat das BMBF Forschungsverbünde zu zoonotischen Erkrankungen mit 24,6 Millionen Euro gefördert, bis 2013 werden ca. 28 Millionen Euro bereitgestellt. Beteiligt sind außerdem die Bundesministerien für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und für Gesundheit (BMG). Durch verbesserte Zusammenarbeit von Veterinärmedizinern und Humanmedizinern soll die Übertragung von Erregern vom Tier auf den Menschen intensiver als bisher wissenschaftlich erforscht werden.
    mehr (URL: http://bmbf.de/de/1074.php)
  • Schwerpunkt versorgungsnahe Forschung

    Ein Schwerpunkt zur versorgungsnahen Forschung wird etabliert. Die Versorgungsforschung untersucht die Versorgung der Patienten unter Alltagsbedingungen. Der Förderschwerpunkt zur versorgungsnahen Forschung stößt auf große Resonanz. Die außergewöhnlich hohe Zahl von 650 Projektideen, die in den zwei Förderphasen eingereicht wurden, belegt das große Interesse am Thema und das enorme Innovationspotenzial, das derzeit in der Patientenorientierung sowohl in der Wissenschaft als auch in der Versorgung zu beobachten ist.
    mehr (URL: http://bmbf.de/de/6647.php)
  • Klinische Studienzentren

    Förderinitiativen zur Etablierung von Klinischen Studienzentren an Universitätskliniken, von bundesweiten Netzwerken zu wichtigen Krankheitsbildern sowie von Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren sollen die Bedingungen für klinische Studien in Deutschland verbessern. Seit 1998 hat das BMBF den Aufbau von insgesamt 12 zwölf Koordinierungszentren für Klinische Studien (KKS) mit einer Gesamtsumme von rund 38 Mio. € gefördert.
    mehr (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/klinische-forschung.php)
  • Gesundheitsforschung des BMBF

    Gesundheitsforschung trägt dazu bei, mit Innovationen die Lebensqualität von Menschen aller Lebensalter, von Frauen, Männern und Kindern zu erhöhen und gleichzeitig die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems zu sichern. Ihr kommt deshalb eine große Bedeutung zu.
    mehr (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/index.php)

Ideen zünden TV

Mit Neugier fängt alles an! Jetzt öffnen Deutschlands Hightech-Labore ihre Tore. Ideen zünden-TV, der Web-Kanal des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, berichtet exklusiv über die innovativsten und wegweisendsten Technologien der Zukunft. Denn Forschung lohnt sich für uns alle!