Die Medizintechnik in Deutschland verfügt über einen beachtlichen Innovationsgrad. Erhalt und Ausbau dieser Disziplin sind deshalb ein Schwerpunkt der Hightech-Strategie. Die Medizintechnik bringt zum Beispiel neuartige Geräte für unterschiedliche Einsatzbereiche hervor, z. B. Systeme, durch die Operationsverfahren mit der sogenannten Schlüssellochtechnik möglich sind. Eine weitere Innovation sind Geräte in Miniaturausführung wie eine winzige Druckmesskapsel zur Kontrolle des Blutdrucks.
Der Erhalt und der Ausbau der Medizintechnik, als eine der innovativsten Branchen in Deutschland, ist ein Ziel der Hightech-Strategie. Die Medizintechnik integriert Schlüsseltechnologien wie die Mikrosystemtechnik, Informations- und Kommunikationstechnik, Nanotechnologie, Molekular- und Zellbiologie, Regenerationstechnologie und Pharmazie. Eine zentrale Fördermaßnahme ist der Innovationswettbewerb Medizintechnik, der durch Förderung ausgewählter Forschungsideen zur Beschleunigung der Markteinführung innovativer Medizinprodukte beiträgt.
Diese Art der Förderung ist notwendig, da die mittelständisch geprägte Branche aufgrund langer Entwicklungsverfahren von teilweise mehr als zehn Jahren zunehmend vor Finanzierungsproblemen steht. So sind je nach Klassifizierung umfangreiche klinische Studien erforderlich, damit die gesetzlichen Krankenversicherungen später die Behandlungskosten übernehmen.
Projektbeispiel
Frühwarnsystem für Herzschwäche
Bei chronisch kranken Herzpatienten ist trotz der Einnahme von Medikamenten das Herz-Kreislauf-System oft geschwächt. Im Idealfall sollte der Blutdruck dauerhaft überwacht werden. Deshalb wurde - gefördert durch das BMBF - eine winzige Druckmesskapsel entwickelt, die den betroffenen Patientinnen und Patienten eingepflanzt wird. Dieser neuartige Sensor warnt frühzeitig, wenn sich die Pumpleistung des Herzens verringert. So kann der behandelnde Arzt in Zukunft Unregelmäßigkeiten frühzeitig erkennen und mit entsprechenden Medikamenten reagieren. Den Betroffenen wird schnell geholfen. Krankenhausaufenthalte lassen sich vermeiden und dadurch erhebliche Kosten sparen. Durch die dauerhafte Überwachung ist auch für Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Herzschwäche ein weitgehend unabhängiges Leben zu Hause möglich. Die Herz-Kapsel wurde in einem Verbundprojekt aus vier akademischen Partnern und der BYTEC Medizintechnik GmbH aus Stolberg zur Marktreife entwickelt.
Ziel der Innovationsallianz Molekulare Bildgebung ist es, die bildliche Darstellung lebender Zellen zu verbessern. Die Molekulare Bildgebung soll bei der Früherkennung und der Therapie von Krankheiten insbesondere bei Krebs, Herz-Kreislauf- und Demenzerkrankungen eingesetzt werden. Damit dies gelingt, arbeiten Geräteentwickler eng mit Naturwissenschaftlern, Pharmazeuten sowie Anwendern in den Kliniken und Software-Spezialisten zusammen. Neben Siemens, Bayer-Schering Pharma, Boehringer Ingelheim, Carl Zeiss und Karl Storz sind mehr als 25 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und rund 25 Forschungseinrichtungen beteiligt.
Angesichts begrenzter personeller und finanzieller Ressourcen wird über die gesundheitliche Versorgung in Arztpraxen und Krankenhäusern hinaus der Bedarf an Betreuung älterer und chronisch kranker Menschen im häuslichen Umfeld absehbar steigen. Dazu fördert die Bundesregierung zum einen Forschungsprojekte, die darauf zielen, die Selbständigkeit von älteren, oft unter Mehrfacherkrankungen leidende Menschen so lange wie möglich zu erhalten - beispielsweise durch die Fördermaßnahme "Gesundheit im Alter". Zum anderen werden neuartige Betreuungs- und Versorgungsangebote, wie "Ambient Assisted Living" Konzepte, an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig wird die Umsetzung der Telematik-Infrastruktur für das Gesundheitswesen eine breite technologische Basis für diese neuen Betreuungsformen und -angebote (Telemedizin, Telemonitoring) schaffen. Damit lässt sich auch die Versorgung in ländlichen Gebieten verbessern.
Projektbeispiel
Altersgerechte Assistenzsysteme - Ambient Assisted Living
Mobile Puls- und EKG-Geräte melden Unregelmäßigkeiten direkt an den Arzt. Zu den neuartigen Assistenzsystemen gehören auch Geräte der Schlafbeobachtung und Sturzerkennung mit Sensoren, die bei kritischen Situationen Alarm schlagen. Mit Hilfe der Medizintechnik, der Mikrosystemtechnik, moderner Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) und innovativer Dienstleistungen werden solche Assistenzsysteme entwickelt. Ziel ist es, die Lebensqualität für alle Menschen in allen Lebensabschnitten zu erhöhen. Unter Assistenzsysteme versteht man dabei Konzepte, Produkte und Dienstleistungen, die die Interaktion zwischen technischen und sozialen Systemen verbessern. Die intelligenten Assistenzsysteme sorgen vor allem bei älteren und in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkten Menschen für eine längere selbstständige Lebensführung. Assistenzsysteme beziehen Pflegepersonal, Ärzte und Familienmitglieder explizit mit ein. Forschung und Innovationen schaffen die Grundlage für technische Systeme, die je nach den Bedürfnissen der Nutzer einen Teil der Alltagstätigkeiten bis hin zur medizinischen Versorgung erleichtern oder übernehmen. www.aal-deutschland.de