Biologische Vielfalt erhalten

Aktuell gehen Arten in nie da gewesenem Tempo zurück. Die Populationen werden kleiner und genetisch ärmer oder verschwinden ganz. Der dramatische Rückgang an Insekten birgt Risiken, die wir bisher nur unvollständig einschätzen können.

Biologische Vielfalt

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Denn die Leistungen der Natur für den Menschen (Ökosystemleistungen) bilden eine Basis für seinen Wohlstand und sein Wohlergehen. Dies macht der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) in seinem aktuellen Bericht deutlich, indem er u. a. die immense Bedeutung von Bestäubern für die Ernährungssicherung offenlegt. Es bedarf weiterer intensiver Forschung, um die biologische Vielfalt zu erhalten. Hierfür müssen die negativen Auswirkungen gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Einflussnahme auf die Natur noch besser verstanden und abgestellt werden.

Ziele der Mission

Dem Verlust an Biodiversität entgegenzuwirken, ist eine ebenso große Herausforderung wie die Bekämpfung des Klimawandels. Dabei verschärft der Klimawandel das Risiko der irreversiblen Veränderung von Ökosystemen. Gleichzeitig können geschädigte Ökosysteme dazu führen, dass die Auswirkungen des Klimawandels für den Menschen gravierender ausfallen. Ziel der Mission ist der Erhalt der biologischen Vielfalt und die Förderung widerstandsfähiger Ökosysteme für die Bewahrung unserer Lebensgrundlage. Durch systemische Ansätze soll die Forschung

  • innovative Technologien und Methoden entwickeln, um die Erfassung des Zustandes der Artenvielfalt zu verbessern und zu beschleunigen (Biodiversitätsmonitoring),
  • das systemische Verständnis der Ursachen, Dynamiken und Folgen von Biodiversitätsveränderungen vertiefen,
  • die Zusammenhänge und Dynamiken zwischen ökologischen und sozioökonomischen Systemen klären, sowie Interessenkonflikte und Synergien in verschiedenen Bereichen und Sektoren durchleuchten,
  • sowie Systemlösungen und Maßnahmen-Portfolien im Dialog mit Praxisakteuren aus der Wirtschaft, der Zivilgesellschaft und kommunalen und regionalen Planungs- und Vollzugsbehörden entwickeln.

Darauf aufbauend sollen, um dem Verlust an Biodiversität entgegenzuwirken, die zurzeit eingesetzten Maßnahmen ggf. angepasst und um neue Instrumente ergänzt werden. Diese sollen Hebelwirkung auf gesellschaftliches Handeln und wirtschaftliche Entscheidungen zum Erhalt der Artenvielfalt entfalten.

Aktuelle Meilensteine und Aktivitäten der Bundesregierung

Die Mission trägt zum UN-Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD), zur EU-Biodiversitätsstrategie und zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) bei. Seitens der Bundesregierung sind BMBF, BMU und BMEL an der Umsetzung der Mission beteiligt. Die Bundesregierung unterstützt das Missionsziel durch folgende Aktivitäten:

  • Im Februar 2019 ist die „Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt“ (geplant sind 200 Mio. Euro für die kommenden fünf Jahre) als vierte Leitinitiative des Rahmenprogramms FONA gestartet. Sie wird die Biodiversitätsforschung maßgeblich vorantreiben und die Forschungsaktivitäten stärker bündeln. Ziel der langfristig angelegten Forschungsinitiative ist es insbesondere, Wissenslücken über Systemzusammenhänge des Artenverlustes zu schließen und Maßnahmen zum Erhalt, zur Verbesserung und zur nachhaltigen Nutzung der Biodiversität zu entwickeln. Innovative Ideen sollen in Projekten und Förderschwerpunkten gefördert werden. Den Auftakt dazu bildet die im Juni 2019 veröffentlichte Förderbekanntmachung „Wertschätzung und Sicherung von biologischer Vielfalt in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft." Projekte zu spezifischen Themen (z. B. Ursachen für den Rückgang von Insekten in Schutzgebieten/insektenfreundliches Management von Schutzgebieten und angrenzenden Flächen) sind bereits angelaufen. In 2019 werden darüber hinaus kurzfristige Fördermaßnahmen angeschoben, um vordringliche Forschungsfragen zu behandeln.
  • Ebenfalls im Februar 2019 ist das Aktionsprogramm Insektenschutz in die Ressortabstimmung gegangen. Mit dem Aktionsprogramm Insektenschutz beabsichtigt die Bundesregierung, die Lebensbedingungen für Insekten und die biologische Vielfalt in Deutschland zu verbessern, um dem Insektensterben entgegenzuwirken.
  • Die Bundesregierung plant den Aufbau eines wissenschaftlichen Monitoringzentrums zur Biodiversität. Ziel ist es, u. a. Methodenstandards zu entwickeln und verlässliche Daten für die Politikberatung zur Verfügung zu stellen.
  • Im März 2019 ist der Startschuss für das „Nationale Monitoring der biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften“ gefallen.
  • Im Juni 2019 erfolgte die Veröffentlichung der Förderbekanntmachung „Küstenmeerforschung in Nord- und Ostsee“ mit Schwerpunkt auf Biodiversitätsänderungen in Küstengewässern.

Synergien mit anderen HTS-Missionen (u. a. „Nachhaltiges Wirtschaften in Kreisläufen“, „Künstliche Intelligenz in die Anwendung bringen“) werden so weit wie möglich genutzt. So werden z. B. digitale und KI-Technologien für die Erfassung und Verarbeitung von Biodiversitätsdaten entwickelt, Informationen aus Biodiversitätsarchiven und naturkundlichen Forschungssammlungen digitalisiert, Datenbestände mobilisiert, besser vernetzt und verfügbar gemacht sowie Systemlösungen für ein nachhaltiges, biodiversitätsförderndes Handeln in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft erarbeitet.