Eine sichere, vernetzte und saubere Mobilität

Mobilität sichert unseren Wohlstand. Sie ist ein entscheidender Wirtschaftsfaktor und Grundlage von Innovationen. Die Mobilitätsbranche befindet sich in einem gewichtigen Umbruch.

Mobilität

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1. Unsere Motivation

Mobilität sichert unseren Wohlstand. Sie ist ein entscheidender Wirtschaftsfaktor und Grundlage von Innovationen. Die Mobilitätsbranche befindet sich in einem gewichtigen Umbruch. Sie wird nicht mehr nur durch die Fahrzeug-, sondern zunehmend auch durch die IT-Branche geprägt. Elektrofahrzeuge sind mit dem Stromnetz verbundene Speicheroptionen, sodass die netzdienliche Integration der Elektromobilität die Transformation des Verkehrsbereichs mit dem Umbau des Energiebereichs koppelt. Diese Veränderungen stellen – auch vor dem Hintergrund der Klimaziele – Herausforderungen an die Ressortzusammenarbeit der Bundesregierung dar. Es bieten sich zahlreiche Chancen für neue Wertschöpfung und Umgestaltung sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Antworten auf die Herausforderungen müssen in der Gesamtschau gefunden werden. Eine zentrale Rolle spielen hier Forschung und Innovation. Mobilitätsbedarfe und Verkehrsbewegungen, Infrastrukturen, Beschäftigung, regionale Strukturen, technische Innovationen und neue Geschäftsmodelle müssen in einem vernetzten, digitalisierten und nachhaltigen Mobilitätssektor gleichermaßen berücksichtigt werden.

2. Das wird getan: Meilensteine zur Implementierung der Mission

Die Ziele der Hightech Strategie werden gemeinsam mit Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft verfolgt. Das gilt für alle Missionen der Hightech Strategie einschließlich der Mission zur Mobilität. Hier werden die Prioritäten gemeinsam gesetzt und betroffene Akteure sowie potenzielle Nutzerinnen und Nutzer von Anfang an eingebunden, um Transparenz zu schaffen und Schnittmengen zu ermitteln. Die Meilensteine zeigen die Handlungsfelder und Ansätze zur Vernetzung zwischen den Ressorts sowie zu Synergien der politischen Ebene auf.

Meilenstein 1: Neue, tragfähige Geschäftsmodelle etablieren

Zur Nutzung der Potenziale von Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung für die klimafreundliche Mobilität der Zukunft werden digitale Lösungen erlebbar gemacht und in neue Geschäftsmodelle übersetzt. In Reallaboren wird ein ganzheitlicher Ansatz für kommunale und regionale Mobilitätssysteme erprobt, ein breit angelegter Stakeholderdialog mit Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zur Einführung neuer Technologien etabliert und der Einsatz von KI in der Logistik für den Wirtschaftsstandort Deutschland gestärkt. Die straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften machen – z.B. in Form von Experimentierklauseln - bereits heute Erprobungen im Realverkehr möglich. Sollte sich herausstellen, dass die vorhandenen Möglichkeiten für geplante Erprobungen von Innovationen im realen Umfeld nicht ausreichend sind, könnte eine Erweiterung des bestehenden Rechtsrahmens in Erwägung gezogen werden, insbesondere durch die Schaffung neuer Experimentierklauseln.

Meilenstein 2: Wechselwirkungen innerhalb des Mobilitätssystems besser verstehen

Das Mobilitätssystem wird strukturell, verkehrsträger- und sektorübergreifend analysiert und mit gesellschaftlichen und individuellen Anforderungen verknüpft. Auf kommunaler Ebene und im Bereich der integrierten Stadtentwicklung werden z.B. nachhaltige Mobilitätskonzepte an der Stärkung der aktiven Mobilität und des ÖPNV, der Einbindung neuer Technologien (inkl. KI-Anwendungen) und Verkehrsinfrastrukturen sowie der fairen Neuverteilung öffentlichen Raumes gemessen. Unterstützend werden Formate entwickelt, die zielgruppenspezifisch den Wissenstransfer in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und die Vernetzung relevanter Akteure gewährleisten.

Meilenstein 3: Wissenstransfer in der Verkehrs- und Mobilitätsplanung stärken

Die praxisorientierte (Weiter-) Entwicklung von Verfahren und Instrumenten der kommunalen Steuerung und Planung im Mobilitäts- und Verkehrsbereich wird gefördert. Hierbei kann auf Erkenntnissen aus der ganzheitlichen Betrachtung des Mobilitätssystems aufgebaut werden (siehe Meilenstein 2). Der Wissenstransfer in die Praxis wird auch durch bundesweite Mobilitätsnetzwerke praktisch gestärkt und der Zugang zu Veröffentlichungen von Daten und Ergebnissen unterstützt. Für den Fachkräftenachwuchs werden z.B. Kompetenzzentren für den digitalen Mobilitätssektor aufgebaut, um die KI-Kompetenzentwicklung sicherzustellen.

Meilenstein 4: Positive Nachhaltigkeitseffekte, Umweltentlastungen und Klimaschutz erzeugen

Verkehrsbedingte Umweltbelastungen werden reduziert. Hierzu werden neue digitale Technologien, Fahrzeug- und Systemtechnologien (Leichtbau, neue Antriebe); gefördert, die dazu beitragen, die Schadstoffemissionen, den Ressourcenverbrauch und die Flächeninanspruchnahme zu reduzieren. Die langfristige Änderung des Mobilitätsverhaltens hin zu umwelt- und klimafreundlichem Verhalten wird gefördert. Bundesprogramme helfen Kommunen unter anderem, die Luftqualität zu verbessern, den ÖPNV bedarfsorientiert zu erweitern sowie Radwege zu bauen.

Meilenstein 5: Realbetrieb von automatisierten und vernetzten Fahrzeugen ermöglichen

Die Grundlage für den Realbetrieb von automatisierten, elektrischen Fahrzeugen werden KI-basierte Elektroniklösungen, verschiedene funktionale Fahrzeugarchitekturen und Testumgebungen für komplexe urbane Verkehrsszenarien schaffen. Die Leistungsfähigkeit und Energieeffizienz der entwickelten Elektronik und Sensorik werden signifikant gesteigert. Der Einsatz bedarfsorientierter, autonomer Mobilitätsangebote wird in verschiedenen Einsatzbereichen im Realbetrieb erprobt und validiert, auch hinsichtlich Fragen der gesellschaftlichen Akzeptanz. Gemeinsam mit Automobilherstellern und relevanten Zulieferern und Herstellern wird ein Konsens zu Anforderungen und Entwicklungen künftiger Automotive-Komponenten über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg in einer verlässlichen Roadmap zusammengefasst.

Meilenstein 6: Integrierte Mobilitätskonzepte in Kommunen umsetzen

Nachhaltige Mobilitätskonzepte und -maßnahmen werden auf kommunaler Ebene inter- und transdisziplinär konzipiert, u.a. in Reallaboren umgesetzt und für die Verbreitung in weitere (örtliche) Kontexte ausgewertet und zielgruppenspezifisch aufbereitet. Erkenntnisse zu Wechselwirkungen innerhalb des Mobilitätssystems (vgl. Meilenstein 2) stoßen eine nachhaltige Veränderung an. Positive Nachhaltigkeitseffekte werden messbar in der Verkehrspolitik und -planung berücksichtigt. Mobilitätsangebote und -dienstleistungen im urbanen Raum wie auch in ländlichen Regionen werden verbessert. Dies wird unterstützt durch eine Plattform zur Integration aller relevanten Mobilitätsdienstleister.

Meilenstein 7: Deutschland zum Leitanbieter und Leitmarkt für Elektromobilität entwickeln

Mit der Bündelung einer großen Anzahl von Maßnahmen und durch die Einbindung von verschiedenen Akteuren wird die Forschungs- und Innovationsfähigkeit Deutschlands im Bereich der Elektromobilität maßgeblich weiterentwickelt. Dazu gehören die Steigerung des Marktangebots von Fahrzeugen und die Verbesserung von Technologiereifegraden innovativer Komponenten und Infrastrukturen. Dabei stehen unter anderem die Vernetzung von Forschungseinrichtungen, der Ausbau von Batteriekonzepten und zunehmend intelligenten Ladesäulen sowie der Transfer in die Anwendung im Mittelpunkt.

Alle in der Mission genannten Maßnahmen auf Bundesebene liegen in der Verantwortung der jeweils zuständigen Ressorts und werden von diesen im Rahmen der geltenden Haushalts- und Finanzplanungsansätze (einschl. Planstellen/Stellen) finanziert. Mehrbedarfe an Sachmitteln und Personal werden im jeweiligen Einzelplan gegenfinanziert.

3. Unser Vorschlag für das weitere Vorgehen

Es könnte eine stärkere Vernetzung in der HTS angestrebt werden, wie etwa mit der Mission „Künstliche Intelligenz in die Anwendung bringen“ sowie „Gut leben und arbeiten im ganzen Land“. Thematisch wäre zudem eine vernetzte Betrachtung der nachhaltigen individuellen Mobilität im urbanen und ländlichen Raum denkbar sowie eine Anbindung an den oder Verknüpfung mit dem ÖPNV. Denn diese Mobilität deckt einen wichtigen Teil des Verkehrsgeschehens in Deutschland ab: Auch auf Basis von innovativen Ergebnissen aus Forschung und Entwicklung könnte die Frage beantwortet werden, wie Mobilitätssysteme so gestaltet werden können, dass sie den unterschiedlichen, regionalen Bedürfnissen in Ländern und Kommunen entsprechen. Innerhalb der urbanen Mobilität wären dafür insbesondere die individuelle Mobilität (z. B. innerstädtische Verkehrsformen) als auch technologische Entwicklungen (z. B. Auswirkungen der Digitalisierung auf den Individualverkehr) sowie die Neuverteilung des öffentlichen Raumes (z.B. Multifunktionalität und Flexibilität von Verkehrsräumen) oder die Schaffung von resilienten urbanen Räumen interessant. Weitere Themen könnten digitale Mobilitätsdienstleistungen (z. B. Carpooling, Carsharing) und Reallabore (z. B. zu sauberen Kraftstoffen, E-Mobilität, 5G) sein. Die Frage, wie sich Mobilitätsdienstleistungen auswirken und zu Verhaltensänderungen bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern und Umweltentlastungen führen, wäre ebenfalls relevant. Innerhalb der ländlichen Mobilität ist der Bedarf für ein vernetztes lokales bzw. regionales Mobilitätsmanagement sehr hoch. Genauso wird die zunehmende Raumkonkurrenz um die Mobilität vor allem im urbanen Kontext als Thema immer wichtiger. Das gilt nicht nur für den immer noch weiter steigenden Verkehr, sondern auch für das neue autonome und vernetzte Fahren. Durch die Stärkung und Nutzung bestehender Mobilitätsnetzwerke wie beispielsweise das Nationale Kompetenznetzwerk für Mobilität (NaKoMo) und Institutionen wie der Straßenverkehrsakademie oder die Stiftungsprofessuren Radverkehr mit ihren zum Teil interdisziplinären Ansätzen können der bundesweite Wissenstransfer verbessert und Hürden in der Umsetzung gemindert werden. Wie kann es gelingen, zusätzlich durch neue Geschäftsideen erzeugte Verkehre von Anbeginn mitzudenken und nachhaltig zu gestalten?

4. Wie die weitere Zusammenarbeit aussehen kann

Der ressortübergreifende Austausch zu Vorhaben mit Demonstrations- und Leuchtturmcharakter sollte gestärkt werden (z. B. ähnlich zum Schaufenster Mobilität). Dafür könnten anwendungsbezogene Themen und Demonstratoren gebündelt und nach Mobilitätsformen (z. B. Straße, Schiene, etc.) geclustert werden. Zwei Kernfragen zu Instrumenten der Mission würden sich hinsichtlich (gemeinsamer) Reallabore stellen: Wo sind sie sinnvoll und wo können Lücken geschlossen sowie Synergien erschlossen werden? Ebenfalls sollte auf eine höhere Umsetzungsgeschwindigkeit bei der Vernetzung von Verkehrsforschung und bei der Entwicklung und Implementierung von systemischen Fahrzeug- und Schnittstellentechnologien abgezielt werden. Die Erprobung solcher Technologien in Reallaboren profitiert nicht zuletzt von einer verstärkten Zusammenarbeit in der technologischen und systemischen Verkehrs- und Mobilitätsforschung, und unter Einbindung u. a. von Kommunen und Regionen, Wirtschaft und Gesellschaft.