Gesundheit und Pflege

Wir setzen auf leistungsstarke Gesundheitsforschung, die ein aktives und selbstbestimmtes Leben ermöglicht.

Ärztin mit Spritze

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Die Menschen in Deutschland leben immer länger: Im Vergleich zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts haben wir im Schnitt ein Jahrzehnt des vitalen Lebens gewonnen. Gleichzeitig verlangen neue ebenso wie bekannte Krankheitsbilder nach verbesserten Konzepten für Prävention, Diagnostik und Therapie. Deshalb setzen wir auf eine leistungsstarke Gesundheitsforschung, auf internationale Forschungspartnerschaften und auf den Einsatz digitaler Innovationen in der Medizin und Pflege.

Krankheiten vorbeugen und heilen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes, chronische Atemwegserkrankungen, Erkrankungen des Halte- und Bewegungsapparates, Allergien, Demenz, psychische und psychosomatische Erkrankungen sind weit verbreitete Volkskrankheiten. Deutschland kann als starke Forschungsnation wichtige Beiträge zur Bekämpfung von Volkskrankheiten leisten. Wir werden eine Nationale Dekade gegen Krebs ausrufen. Unser Ziel ist es, den Anteil der früh erkannten und erfolgreich behandelten Krebserkrankungen messbar zu erhöhen. Patientinnen und Patienten mit Krebs wollen wir eine bessere Lebensqualität ermöglichen. Dafür wollen wir Weiterentwicklungen in der Krebsforschung anstoßen und erfolgreiche Aktivitäten bündeln und stärken.

Wir werden systemmedizinische und patientenorientierte Forschungsansätze vorantreiben, die die Wirkung von Krankheiten auf den gesamten Organismus untersuchen und daraus neue Diagnostika und Therapieansätze ableiten. Um die Entstehung von Krankheiten besser zu verstehen und diesen vorzubeugen, werden wir die Präventionsforschung und die bevölkerungsbezogene Forschung („public health“) stärken. Die Forschung zu psychischen Erkrankungen und die Kinder- und Jugendmedizin werden wir ausbauen. Neue gesellschaftliche Herausforderungen wie beispielsweise die Zunahme von alters- und lebensstilabhängigen chronischen Erkrankungen und Multimorbidität sollen sich auch im Gesundheitsmonitoring und in der bevölkerungsmedizinischen Nachverfolgung (Surveillance) der öffentlichen Gesundheit abbilden. Wir werden deshalb die Gesundheitsberichterstattung und die präventions- und krankheitsbezogene Surveillance ausbauen, um Entwicklungen der gesundheitlichen Lage und Versorgung der Bevölkerung langfristig abzubilden, Veränderungen rechtzeitig zu erkennen und diese Erkenntnisse den gesundheitspolitischen Entscheidungsträgern sowie Betroffenen und der Öffentlichkeit in geeigneter Form zur Verfügung zu stellen. Leitgedanke ist hierbei, dass gesundheitsbezogene Daten für gezieltes gesundheitspolitisches Handeln verfügbar gemacht werden.

Medizinischen Fortschritt schneller zum Patienten bringen.

Wir werden die medizinische Forschung an Universitäten, die Hochschulmedizin und Strukturen für klinische Studien in Deutschland stärken. Dabei setzen wir uns für bessere Rahmenbedingungen für forschende Ärztinnen und Ärzte ein und werden ein entsprechendes Förderprogramm auflegen. Die translationale Forschung werden wir vorantreiben, um Erkenntnisse aus der klinischen Anwendung mit der Grundlagenforschung zu verbinden und schneller zu den Patientinnen und Patienten zu bringen. Wir werden die Forschung zu neuartigen Diagnostik- und Therapieverfahren, die etwa auf der Verwendung körpereigener Moleküle, Zellen oder Gewebe basieren, aber auch zu Methoden und Verfahren bei Pflege und Versorgung, intensivieren. Die wissenschaftsbasierte Betrachtung von ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekten in den Lebenswissenschaften werden wir verstärkt unterstützen.

Die Medizintechnik-Branche unterstützen wir mit einer patienten-, versorgungs- und zugleich industrieorientierten Innovationsförderung. Die Versorgungsforschung werden wir stärken und die angemessene Versorgung im ländlichen Raum zu einem Schwerpunktthema machen. Beispielsweise kann Telemedizin es ermöglichen, medizinische Spitzenexpertise überall in Deutschland zur Verfügung zu stellen.

Wirkstoffe entwickeln, Infektionen bekämpfen und Forschung zu globaler Gesundheit stärken.

Infektionskrankheiten werden weltweit zu einer immer größeren Bedrohung. Die Bundesregierung wird die Entwicklung neuer Wirkstoffe wie Antibiotika mit einer nationalen Wirkstoffinitiative vorantreiben, insbesondere durch neue Kooperationsformate zwischen Wissenschaft und Industrie. Diese Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen gehen wir gemeinsam mit den G7- und G20-Staaten und weiteren internationalen Partnern an. Darüber hinaus wird die Bundesregierung die Forschung zur globalen Gesundheit stärken und die Beteiligung an internationalen Initiativen ausbauen.

Digitalisierung für eine präventive und personalisierte Medizin.

Die digitale Medizin kann Leben retten. Relevante Informationen, Forschungsergebnisse und Erfahrungswerte sollten für jede Ärztin und jeden Arzt auf Knopfdruck abrufbar sein, damit sie in die Therapieentscheidungen einfließen können. Die Analyse großer Datenmengen aus der biomedizinischen Forschung und Patientenversorgung ist eine wichtige Grundlage für eine präzise, auf die einzelne Person abgestimmte Prävention, Diagnostik und Therapie.

Wir werden die Entwicklung innovativer Methoden und Analysewerkzeuge für die Gesundheitsforschung weiter forcieren, die Systemmedizin stärken und dem Mangel an „Data Scientists“ wirkungsvolle Maßnahmen entgegensetzen. Durch vernetzte Infrastrukturen werden wir den institutionenübergreifenden Zugang zu den jeweils neuesten Technologien ermöglichen und uns für eine qualitätsgesicherte und standardisierte Datenerhebung und -auswertung einsetzen, die den besonderen technischen und rechtlichen Datenschutzanforderungen Rechnung trägt.

Wir wollen Deutschland zum Vorreiter bei der Einführung digitaler Innovationen in das Gesundheitssystem machen. Um diese Chancen zum Wohle möglichst vieler Patientinnen und Patienten zu nutzen, ist ein konsequentes Zusammenwirken vieler Akteurinnen und Akteure notwendig. Erste Schritte sind eine Roadmap zur Entwicklung und Umsetzung innovativer E-Health-Lösungen und die Etablierung einer Dialog-Plattform „Digitale Gesundheit“.

Pflegetechnologien für die Zukunft.

Forschung und technische Innovationen im Pflegebereich fördern wir mit dem Ziel, Pflegekräfte und pflegende Angehörige bei ihrer Arbeit zu entlasten, mehr Zeit für menschliche Zuwendung zu gewähren und die Lebensqualität der Pflegebedürftigen zu verbessern. Wissenschaft und Wirtschaft werden wir mit Nutzerinnen und Nutzern zusammenbringen, um neue Pflegetechnologien zu erforschen, zu entwickeln und in der Pflegepraxis zu erproben. Wir werden auch die Entwicklung intelligenter, vernetzter Wohnumgebungen fördern, die den Menschen ein selbstbestimmtes längeres Leben im eigenen Zuhause ermöglichen. Dabei ist die Entwicklung technischer Unterstützungssysteme immer am Bedarf der Menschen auszurichten und nicht allein von den technischen Möglichkeiten her zu konzipieren.

Forschung für ein gesundheitsförderliches Leben.

Gesundheit sowie Entstehung und Verlauf von Erkrankungen werden nicht nur von individuellen genetischen und körperlichen Voraussetzungen bestimmt. Auch Faktoren wie z. B. das Alter, die Herkunft, der soziale Status, das Geschlecht oder das familiäre, berufliche und gesellschaftliche Umfeld bestimmen mit, wer gesund bleibt und wie Krankheiten bewältigt werden. Um die Entstehung von Krankheiten besser zu verstehen und diesen vorzubeugen, werden wir die Präventionsforschung und die bevölkerungsbezogene Forschung stärken. Wir werden ermöglichen, dass mit verbesserten Methoden die unterschiedlichen Lebenswelten der Menschen gesundheitsförderlicher gestaltet werden können. Dabei wird besonders die Forschung zu wirkungsvolleren Zugangswegen schwer erreichbarer Bevölkerungsgruppen wie z. B. sozial benachteiligter Menschen in den Fokus gerückt werden. Zudem werden wir die Implementierungsforschung im Bereich Bewegungsförderung unterstützen, um Menschen zu mehr Bewegung für ein gesundes Leben zu motivieren. Wir wollen darüber hinaus, dass gesunde Ernährung zur Selbstverständlichkeit in unserer Gesellschaft wird. Dazu werden wir zusammen mit Wirtschaftsverbänden, Fachgesellschaften und -verbänden eine Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fett und Salz in Fertiglebensmittelprodukten erarbeiten.

Unsere Mission: Krebs bekämpfen.

Wir werden eine Nationale Dekade gegen Krebs ausrufen. Wir werden gemeinsam mit Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und allen Akteuren des Gesundheitssystems darauf hinarbeiten, dass Menschen mit Krebs länger und besser leben können und gleichzeitig die Krebsneuerkrankungen zurückgedrängt werden. Hierzu werden wir die Krebsforschung in Deutschland weiter stärken und dadurch Prävention, Früherkennung, Diagnose und Behandlung voranbringen. Dabei wollen wir die Entwicklung und klinische Validierung neuer präventiver und therapeutischer Strategien ermöglichen. So sollen zum Beispiel für Menschen mit einem deutlich erhöhten Krebsrisiko risikoangepasste Früherkennungsmaßnahmen entwickelt und erprobt werden. Wir wollen die Lebensqualität der Betroffenen verbessern und dabei auch Spätfolgen der Krebserkrankung und -behandlung in den Blick nehmen.

Unsere Mission: Forschung und Versorgung digital vernetzen – für eine intelligente Medizin.

Die Bundesregierung wird gemeinsam mit Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und allen Akteuren des Gesundheitssystems darauf hinarbeiten, dass bis 2025 eine forschungskompatible, elektronische Patientenakte an allen deutschen Universitätskliniken verfügbar ist. Die in der Gesundheitsversorgung einzuführenden, einrichtungsübergreifenden elektronischen Patientenakten sollen hierfür Unterstützung leisten. Patientennutzen, Datenschutz und Datensicherheit sollen dabei im Mittelpunkt stehen.