Krebs bekämpfen

Krebserkrankungen stellen in Europa die zweithäufigste Todesursache dar. In den nächsten 20 Jahren wird sich die Zahl der Krebsneuerkrankungen weltweit verdoppeln – trotz großer Fortschritte in dem Verständnis der zugrundeliegenden Mechanismen.

Krebs bekämpfen

Andrew Brookes – Getty Images

Ursachen sind – neben genetischen Einflüssen – unsere älter werdende Gesellschaft und eine ungesunde Lebensweise. Etwa 40 Prozent aller Krebsneuerkrankungen sind auf lebensstilbedinge und damit beeinflussbare Risikofaktoren zurückzuführen. EU-weit werden nach jüngeren Schätzungen pro Jahr 80.000 bis 100.000 arbeitsbedingte Todesfälle berufsbedingten Krebserkrankungen zugerechnet. Dies verdeutlicht das große Präventionspotenzial bei Krebserkrankungen. Um die Perspektiven der Patientinnen und Patienten nach einer Krebsdiagnose weiter zu verbessern, müssen neue Möglichkeiten der Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge erforscht werden und möglichst schnell den Betroffenen zugutekommen. Es müssen wirksame Wege der Prävention entwickelt und umgesetzt werden, um die Zahl der neuen Krebsfälle langfristig zu senken. Darüber hinaus muss die Vernetzung von Forschung und Versorgung zu Krebs verbessert werden, damit Innovationen schneller und gezielter in der breiten Versorgung ankommen und den Menschen zugutekommen.

Ziele der Mission

Ziel ist es, den Transfer von Ergebnissen aus der Spitzenforschung zu fördern, damit jede Patientin und jeder Patient in Deutschland vom medizinischen Fortschritt profitieren kann. Die Ergebnisse der Forschung sollen rasch zu den Menschen gebracht werden, und der Anteil früh erkannter, heilbarer Krebserkrankungen soll messbar erhöht werden. Es sollen möglichst viele Krebsneuerkrankungen verhindert und Krebspatientinnen und -patienten ein besseres Leben ermöglicht werden. Dazu sollen

  • eine neue Forschungskultur etabliert werden, indem Patientinnen und Patienten in der Nationalen Dekade gegen Krebs aktiv in den Forschungsprozess einbezogen werden: von der Entwicklung der Forschungsfrage über die Teilhabe an der Forschung selbst bis hin zur Verbreitung der Ergebnisse.
  • die einschlägigen, onkologischen Förderaktivitäten der Partner der Dekade zu Prävention, Diagnose, Therapie und Versorgung gebündelt bzw. aufeinander abgestimmt werden.
  • in den Bereichen Prävention, Früherkennung, Diagnostik und innovative Therapien die Krebsforschung weiter gestärkt und zielgerichtet vorangetrieben werden.
  • die Ergebnisse der Forschung rasch zu den Menschen gebracht werden und die Erfahrungen und Erkenntnisse aus der onkologischen Versorgung für die Forschung genutzt werden, um so letztlich die Versorgung weiter zu verbessern.
  • Verbesserungen der Rahmenbedingungen, etwa für die Ausbildung des wissenschaftlichen medizinischen Nachwuchses und Infrastrukturen für frühe klinische Studien die Nationale Dekade gegen Krebs flankieren.
  • zusätzliche Standorte des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) geschaffen werden.

Aktuelle Meilensteine und Aktivitäten der Bundesregierung

Nationale Dekade gegen Krebs

Ende Januar 2019 haben wir unter dem Dach des neuen Rahmenprogramms Gesundheitsforschung die Nationale Dekade gegen Krebs ausgerufen. Zeitgleich haben wir die erste Förderbekanntmachung „Förderung praxisverändernder klinischer Studien zur Prävention, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen“ veröffentlicht. Mit ihr sollen etablierte Maßnahmen überprüft und verglichen werden. Hier endet gerade die Konzeptionsphase der einzelnen Studien. Darüber hinaus ist im Rahmen der Dekade der Ausbau des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) von zwei auf sechs Standorte auf den Weg gebracht geworden. Die vier ausgewählten Konsortien erarbeiten nun in einer ersten Förderstufe gemeinsam mit den beiden bestehenden Standorten des NCT ein strategisches Konzept für die Umsetzung eines auf ganz Deutschland ausstrahlenden Gesamt-NCT. Weiterhin wurden im Jahr 2020 die Förderrichtlinien für die Erforschung der Tumorheterogenität, eine der großen ungelösten Fragen der Krebsforschung, sowie zu einem aktuellen Phänomen, der Zunahme von Darmkrebserkrankungen bei Jüngeren, als erstes Resultat der Arbeitsgruppentätigkeit der NDK veröffentlicht.

Das Thema Krebsforschung war auch in der EU-Ratspräsidentschaft 2020 ein Schwerpunkt der Bundesregierung. So wurde z. B. auf der High-Level-Conference mit den Triopartnern die Deklaration „Europe: Unite against cancer“ verabschiedet, die u.a. die Stärkung der Krebsforschung betont und einen Prozess mit den europäischen Patientenvertretungen initiiert, der die verstärkte Einbindung von Patientinnen und Patienten in Europa unterstützen soll. Zudem wurde die Aufstockung der Förderung von ERA-NET TRANSCAN beschlossen, mit dem Ziel, die Forschungsaktivitäten und -programme der beteiligten europäischen Länder auf dem Gebiet der translationalen Krebsforschung zu koordinieren. Eine entsprechende Förderrichtlinie wurde im April 2021 zum Thema Tumor-Mikromilieu veröffentlicht.

Arbeitsschutz

Zudem fand im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft im November 2020 eine Fachkonferenz zum Thema „STOP Cancer at Work“ statt. Im Fokus zahlreicher Vorträge und Workshops stand die Prävention von berufsbedingten Krebserkrankungen am Arbeitsplatz.

Einbindung von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft

Neben der Bundesregierung beteiligen sich unter anderem die Stiftung Deutsche Krebshilfe, die Felix Burda Stiftung und das DKFZ an der Dekade. Als Partnerorganisationen haben sich der Dekade bisher u. a. medizinische Fachgesellschaften wie die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie sowie Verbände von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, Krankenkassen, forschende Industrieunternehmen und die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe angeschlossen. Auch Bürgerinnen und Bürger sollen die Dekade aktiv mitgestalten können. Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit, als offizieller Unterstützer der Dekade deren Ziele zu unterstützen. Hier sind bereits über 30 Organisationen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Krebsbekämpfung aktiv dabei.
Die industrielle Gesundheitswirtschaft mit über 30 Verbänden, Unternehmen, Dienstleistern und Partnern wird ihre Kompetenzen in der Biotechnologie, der Medizintechnik, der Telemedizin und der Diagnostik einbringen. Insbesondere datengetriebene Innovationen für die Versorgungsforschung sollen in die Onkologie gebracht werden. Eine enge inhaltliche Abstimmung und Zusammenarbeit findet mit dem 2008 initiierten Nationalen Krebsplan, insbesondere in den Bereichen Versorgung, Prävention und Patientenbeteiligung statt.
Im Bereich Arbeitsschutz gibt es auf EU- und auf nationaler Ebene Aktivitäten, um die Prävention berufsbedingter Krebserkrankungen zu stärken. Um den Transfer in die Praxis weiter zu fördern, ist Deutschland Partner der EU-weiten Initiative „Roadmap on Carcinogens“. Die „Roadmap on Carcinogens“ bietet Hilfestellungen, Praxisbeispiele und stärkt das Bewusstsein für einen risikobewussten Umgang mit krebserzeugenden Stoffen. National erfolgt dies über das Arbeitsprogramm „Krebserzeugende Stoffe“, einem Schwerpunkt der 3. GDA-Periode (GDA = Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie).
Seitens der Bundesregierung sind BMBF, BMG und BMAS an der Umsetzung der Mission beteiligt.
Alle in der Mission genannten Maßnahmen auf Bundesebene liegen in der Verantwortung der jeweils zuständigen Ressorts und werden von diesen im Rahmen der geltenden Haushalts- und Finanzplanungsansätze (einschl. Planstellen/Stellen) finanziert. Mehrbedarfe an Sachmitteln und Personal werden im jeweiligen Einzelplan gegenfinanziert.

Weiteres Vorgehen

Im Bereich Nationale Dekade gegen Krebs:

Der Strategiekreis der Nationalen Dekade gegen Krebs entwickelt im Dialog mit den Partnern das Arbeitsprogramm der nächsten zehn Jahre und begleitet dieses. Eine kontinuierliche Anpassung an aktuelle Entwicklungen ist vorgesehen. Bis zur Halbzeit der Dekade sollen folgende Ergebnisse erreicht worden sein:

  • Wichtige Stakeholder sind untereinander vernetzt, die Patientinnen und Patienten über Verbände eingebunden und zusätzliche Forschungsförderung initiiert.
  • Erste Ergebnisse aus den Fördermaßnahmen sind veröffentlicht und fließen in die Krebsforschung und Versorgung ein.
  • Ein begleitendes Kommunikationskonzept soll die Dekade über die wissenschaftliche Gemeinschaft hinaus auch in der Bevölkerung bekannt gemacht haben.
  • Zur Beantwortung der großen ungelösten Fragen der Krebsforschung soll ein offenes, kompetitives Projektförderprogramm aufgesetzt worden sein. Alle bestehenden Fördermaßnahmen der Bundesregierung mit Bezug zur Krebsforschung sollen kommunikativ (einschließlich der insgesamt eingesetzten Finanzmittel) unter dem Dach der Nationalen Dekade zusammengefasst worden sein.
  • Zur Stärkung der Translation in der Spitzenforschung sollen die neu ausgewählten Standorte des NCT gegründet und so ein verbesserter Zugang zu multidisziplinärer Forschung und Versorgung aus einer Hand ermöglicht worden sein.

Weiterhin sind zwei wichtige Partner, das DKFZ und die Deutsche Krebshilfe, im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs eine neue strategische Partnerschaft eingegangen, um ein auch im internationalen Vergleich zukunftsweisendes „Nationales Krebspräventionszentrum“ aufzubauen mit dem Ziel, die Präventionsforschung und angewandte Prävention in Deutschland systematisch auszubauen und mit weiteren Partnern flächendeckend zu befördern. Damit die Ergebnisse der Krebsforschung schneller in der breiten Krebsversorgung ankommen und umgekehrt die Forschung von den Erkenntnissen aus der Versorgung profitiert, arbeiten wir daran, die onkologische Forschung und Versorgung im Sinne einer „Wissen-generierenden Versorgung“ besser miteinander zu vernetzen.

Im Bereich Arbeitsschutz:

  • Stakeholder für den Arbeitsschutz auf EU-Ebene werden über die gemeinsame Initiative „Roadmap on Carcinogens“ vernetzt, neue Kreise erreicht.
  • Während der 3. GDA-Periode werden die Vollzugsbehörden bei Betriebsbesichtigungen ab 2022 einen Schwerpunkt auf Tätigkeiten mit krebserzeugenden Stoffen am Arbeitsplatz legen.