Technik für den Menschen

Die Zukunft des Hochtechnologie-Standortes Deutschland hängt entscheidend davon ab, wie gut es gelingen wird, technologische Innovationen für soziale Fortschritte zu nutzen.

Technik für Menschen

Maskot – Getty Images

Die Mission „Technik für den Menschen“ zielt darauf ab, den technologischen Wandel gesamtgesellschaftlich und in der Arbeitswelt zum Wohle der Menschen zu nutzen. Dafür müssen die Chancen und Risiken neuer Technologien und der Sozialen Innovationen, die sie hervorbringen und ermöglichen, erforscht und bewertet werden und ein Transfer des Wissens in Unternehmen und gesellschaftlichen Gruppen stattfinden.

Ziele der Mission

Der technologisch-wirtschaftliche Wandel soll genutzt werden, um die Arbeitswelt im Sinne der Menschen gesundheitsfördernd, mit Familie, Pflege und bürgerschaftlichem Engagement vereinbar, sowie unter Berücksichtigung des aktiven Alterns und der Gleichstellung von Frauen und Männern zu gestalten. Dafür müssen die Chancen und Risiken neuer Technologien erforscht und bewertet werden. Hierfür ist mehr Wissen über die sozialen Folgen technologischer Innovationen erforderlich. Dazu gehören beispielsweise digitale Assistenzsysteme, die Mensch-Roboter-Zusammenarbeit, Exoskelette zur Unterstützung der Beschäftigten bei körperlicher Arbeit, aber auch Lösungen zur flexibleren Organisation von Arbeitsabläufen, der Unterstützung mobiler Arbeit oder die Möglichkeiten der Bearbeitung und Bewältigung von Risiken durch Staat, Wirtschaft und Gesellschaft.

Auch außerhalb der Arbeitswelt spielen interaktive Technologien eine immer größere Rolle im Alltag der Menschen. Für das optimale Zusammenspiel von Mensch und Technik ist es wichtig, Informations- und Kommunikationstechnologien, Elektronik, Robotik und Bionik mit Geistes- und Sozialwissenschaften zusammenzubringen. Auch jene Herausforderungen und Bedarfe, die sich im täglichen Leben zeigen und aus der Gesellschaft heraus adressiert werden, müssen aufgegriffen und einbezogen werden. So entstehen innovative Lösungen, die Menschen in immer mehr Lebensbereichen und Lebenslagen unterstützen.

Aktuelle Meilensteine und Aktivitäten der Bundesregierung

Seitens der Bundesregierung sind BMAS, BMFSFJ, BMEL, BMWi und BMBF an der Umsetzung der Mission beteiligt. Folgende Maßnahmen wurden auf den Weg gebracht:

  • Förderung der sozial- und gesellschaftspolitischen Forschung über das Fördernetzwerk Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (FIS), u. a. durch den Aufbau einer Datengrundlage für die interdisziplinäre Sozialpolitikforschung zu Digitalisierung und Wandel der Beschäftigung. Seit dem 1. Mai 2021 wird der Aufbau des Deutschen Instituts für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS) gefördert.
  • Förderung von FuE zur Sicherheit und Gesundheit in der digitalisierten Arbeitswelt, u. a. neuer Forschungsschwerpunkt der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) „Sicherheit und Gesundheit in der digitalen Arbeitswelt“.
  • Förderung von FuE im Rahmen der Programmlinie „Zukunft der Arbeit – Innovationen für die Arbeit von morgen“, insbesondere durch den Aufbau „Regionaler Kompetenzzentren der Arbeitsforschung“ sowie Fördermaßnahmen zur „Arbeit an und mit Menschen“.
  • Förderung von FuE im Rahmen des Forschungsprogramms „Technik zum Menschen bringen“ (bis 2020) und des Forschungsprogramms „Miteinander durch Innovation“ (seit 2021), insbesondere durch Fördermaßnahmen zu Hybriden Interaktionssystemen in Ausnahmesituationen, KI in der Pflege, Virtual und Augmented Reality für eine digitale Gesellschaft, einem Cluster zu „Integrierter Forschung“ und Assistenzrobotik.
  • •    Institutionelle Förderung des DLR für FuE in der Medizin- und Assistenzrobotik.
  • Erfahrungsaustausch über Entwicklung und Implementierung von vereinbarkeitsverbessernden Ansätzen im Rahmen des Unternehmensprogramms „Erfolgsfaktor Familie“.
  • Der Förderschwerpunkt „Gründungen: Innovative Start-ups für Mensch-Technik-Interaktion“ unterstützt gezielt Startups und Ausgründungsaktivitäten der Wissenschaft.
  • Förderung von Forschungsvorhaben zu Chancen, Risiken und Auswirkungen der Digitalisierung in ländlichen Räumen im Rahmen des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung.

Einbindung von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft

Die BAuA ist sowohl mit den klassischen Arbeitsschutzakteuren als auch mit den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen vernetzt, die an der Gestaltung einer menschengerechten Arbeitswelt mitarbeiten. In der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) engagieren sich Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände, Arbeitgebervereinigungen und Kammern, Gewerkschaften, Unternehmen, die Bundesagentur für Arbeit sowie Sozialversicherungsträger und Stiftungen gemeinsam für eine moderne Arbeitskultur und Personalpolitik und entwickeln gemeinsam konkrete und praxisorientierte Lösungen, die Unternehmen und Institutionen bei der Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen unterstützen.

Im Rahmen des Unternehmensnetzwerks „Erfolgsfaktor Familie“ mit 7.900 Mitgliedern, das gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) initiiert wurde, erfolgt kontinuierlich eine Zusammenarbeit und ein Austausch mit Unternehmen verschiedener Größen und Branchen zu Vereinbarkeitsthemen.

Die Wissenschaft erforscht in der Breite Entwicklungsrichtungen, Verbreitung und Folgen sich abzeichnender Technologien und legt damit die Grundlage dafür, auf eine menschengerechte Gestaltung hinzuwirken. Im Rahmen der Programmlinie „Zukunft der Arbeit – Innovationen für die Arbeit von morgen“ sowie des Forschungsprogramms „Miteinander durch Innovation“ werden insbesondere Verbundprojekte gefördert, in denen Unternehmen und Wissenschaft gemeinsam in multi- und transdisziplinären Teams zusammenarbeiten und regelmäßiger Austausch zu den Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden besteht.

Auf multilateraler Ebene widmen sich unter anderem die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie die G7 und G20 dem Thema digitale Fähigkeiten für die Arbeitswelt der Zukunft.

Weiteres Vorgehen

Die Mission ist fortlaufend. Über das FIS wird die unabhängige Sozialpolitikforschung sukzessive ausgebaut. Bei den Stiftungsprofessuren liegen Zusagen der Länder vor, nach Förderabschluss eine dauerhafte Weiterfinanzierung sicherzustellen. Ab dem Jahr 2020 soll darüber hinaus die Vernetzung und Zusammenarbeit der Akteure über die Grenzen ihrer Disziplin hinaus gestärkt werden, die Ansätze für einen wirkungsvollen Transfer von Wissen zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft ausgebaut werden.

Der Forschungsschwerpunkt „Sicherheit und Gesundheit in der digitalen Arbeitswelt“ hat zum Ziel, in der wissenschaftlichen Community durch praxisnahe Forschungsergebnisse Impulse zu setzen und die Umsetzung der Erkenntnisse in die Praxis zu befördern. Erfolg ist messbar über die Zahl und Art von Veröffentlichungen, die Nachfrage und Resonanz der Praxis bei Veranstaltungen und Veröffentlichungen sowie über Evaluationen von Maßnahmen, die Im Rahmen von Projekten realisiert werden.

Um das Thema familienorientierte Unternehmenskultur in Unternehmen verbindlich zu verankern, wurde im Rahmen des Unternehmensprogramms „Erfolgsfaktor Familie“ in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag und dem Bundesverband der Personalmanager das Online-Tool „Fortschrittsindex Vereinbarkeit“ entwickelt. Der Index besteht aus zwei Teilen: Mit den Leitlinien bekennt sich das Unternehmen zu einer innovativen und familienorientierten Unternehmenskultur, in einem zweiten Schritt können Unternehmen jährlich ihre Kultur anhand eines Kennzahlensystems messen und Fortschritte sichtbar machen. 

Das Projekt Digitales Deutschland untersucht, welche digitalen Kompetenzen, insbesondere im Kontext von KI, verschiedene Bevölkerungsgruppen benötigen. Darauf aufbauend sollen Angebote, die digital- und medienbezogene Kompetenzen vermitteln, weiterentwickelt werden. Ein bereits öffentlich verfügbares Ergebnis der Studie ist die systematisierte Sammlung von Forschungsarbeiten zum Thema Digitalkompetenz in einer Datenbank (s. https://digid.jff.de/).

Im Rahmen der Programmlinie „Zukunft der Arbeit“ werden regelmäßig neue Verbundprojekte zur Förderung ausgewählt. In den kommenden Jahren steht insbesondere der Aufbau der Regionalen Kompetenzzentren der Arbeitsforschung bevor.

Im Rahmen des Forschungsfeldes „Lebenswerte Räume: smart, nachhaltig und innovativ“ des Forschungsprogramms „Miteinander durch Innovation“ liegt ein Fokus der Innovationsförderung in den kommenden Jahren auf der Nutzbarmachung von Interaktionstechnologien in Anwendungsfeldern des privaten und öffentlichen Wohnumfeldes.

Alle in der Mission genannten Maßnahmen auf Bundesebene liegen in der Verantwortung der jeweils zuständigen Ressorts und werden von diesen im Rahmen der geltenden Haushalts- und Finanzplanungsansätze (einschl. Planstellen/Stellen) finanziert. Mehrbedarfe an Sachmitteln und Personal werden im jeweiligen Einzelplan gegenfinanziert.