Weitgehende Treibhausgasneutralität der Industrie

Deutschland hat sich zu ambitionierten Nachhaltigkeitszielen verpflichtet. Um die Ziele des Übereinkommens von Paris zu erreichen, muss bis Mitte des Jahrhunderts eine weitgehende Treibhausgasneutralität erreicht sein. Dazu müssen alle Sektoren beitragen, insbesondere auch die Industrie.

Treibhausgasemission vermindern

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Während energiebedingte Emissionen im Industriesektor durch Steigerung von Energieeffizienz und die Umstellung auf erneuerbare Energieträger schrittweise vermindert werden können, erfordert die Vermeidung von prozessbedingten Emissionen einen Technologiesprung. Es besteht erheblicher Forschungsbedarf, um etablierte Prozesse und Verfahren in der deutschen Grundstoffindustrie wie z. B. Eisen-und Stahlindustrie, Chemieindustrie, Zement- und Kalkindustrie und Nichteisen-Metallindustrie anzupassen oder zu ersetzen. Weiterhin sind für die Überführung dieser neuen Technologien in die Praxis immense finanzielle Investitionen nötig.

Ziele der Mission

Ziel der Mission ist es, über Forschung und Innovationsförderung (Forschung, Entwicklung, Demonstration sowie Markteinführung) neuer Technologien einen Beitrag der Industrie zum langfristigen Ziel einer weitgehenden Treibhausgasneutralität (d. h. bis zum Jahr 2050 80-95 Prozent weniger Treibhausgasemissionen ggü. 1990) entsprechend dem Klimaschutzplan 2050 zu ermöglichen und dabei gleichzeitig den Industriestandort Deutschland zu sichern und weiter auszubauen. Die dazu nötigen Innovationen sollen im Zusammenhang mit einer effizienten und technologieoffenen CO2-Reduktionsstrategie für die Industrien in Deutschland durch FuE vorbereitet und in den Markt gebracht werden.

Aktuelle Meilensteine und Aktivitäten der Bundesregierung

Seitens der Bundesregierung sind BMWi, BMU und BMBF an der Umsetzung der Mission beteiligt. Mit Zertifikatspreisen von zuletzt rund 25-30 Euro/t CO2 (Stand Juli 2019) werden Anreize für Emissionsminderungen in der Industrie (und Energiewirtschaft) derzeit über den Europäischen Emissionshandel geschaffen. Weitere Preissteigerungen sind zu erwarten. Die Bundesregierung unterstützt das Missionsziel durch folgende Aktivitäten:

  • Die Bundesregierung leistet mit den Förder- und Forschungsprogrammen Dekarbonisierung im Industriesektor, ihrem 7. Energieforschungsprogramm, dem Rahmenprogramm FONA, und dem Forschungsprogramm zum Klimaschutzplan Beiträge zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen in der energieintensiven Industrie.
  • In Reallaboren der Energiewende wird im Schwerpunkt Sektorenkopplung und Wasserstofftechnologien intensiv an der Nutzung von erneuerbaren Wasserstoff in der Industrie gearbeitet. Dies ist ein entscheidender Schritt um den Transfer von Technologieinnovationen für die Dekarbonisierung der Industrie in industriellen Maßstab voranzutreiben.
  • Mit den Kopernikus-Projekten wurde im Rahmen des 7. Energieforschungsprogramms eine grundlegende Forschungsinitiative der Energiewende aufgelegt. Das Kopernikus-Projekt „Synergie“ entwickelt z. B. Technologien und Prozesse für die Anpassung industrieller Schlüsselprozesse an fluktuierende Stromerzeugung.
  • Im Herbst 2019 wird das Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI) in Cottbus eröffnet. Ferner wird an den beiden Standorten Cottbus und Görlitz/Zittau ein DLR-Institut für CO2-arme Industrieprozesse angesiedelt. Es soll Ansätze für CO2-arme Industrieprozesse und Hochtemperaturpumpen zur Umrüstung von Kohlekraftwerken zu Speicherkraftwerken entwickeln.