Wissenstransfer

Wir sorgen dafür, dass aus Spitzenforschung innovative Produkte und Geschäftsideen werden

Wissenstransfer

    AndreyPopov - thinkstock

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Innovatorinnen und Innovatoren, aber auch (potenzielle) Nutzerinnen und Nutzer arbeiten im gesamten Innovationsprozess – von der Wissens- bis zur Wertschöpfung – Hand in Hand und bringen Forschungsergebnisse für die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes in die Praxis. Wir werden den Transfer und die Innovation als „Dritte Mission“ der Hochschulen – neben Forschung und Lehre – stärken, um die strategische Rolle und das Profil der Hochschulen im regionalen Innovationssystem weiter zu prägen. Wir werden den Kulturwandel in Hochschulen und Forschungseinrichtungen hin zu einem effektiveren Transfer ihrer Forschungsergebnisse zum Nutzen von Wirtschaft und Gesellschaft weiter forcieren und sie in der Wahrnehmung ihrer Rolle im regionalen Innovationssystem unterstützen. Dabei sollen auch verstärkt die für regulatorische Rahmenbedingungen zuständigen Behörden frühzeitig eingebunden werden.

Hier werden wir zum einen dafür sorgen, dass vorhandenes Wissen und vorliegende Forschungsergebnisse in eine breite Anwendung insbesondere beim Mittelstand gelangen. Zum anderen werden wir die Wege ebnen, damit aus Spitzenforschung schnell innovative Produkte und Geschäftsideen werden. Dazu nutzen wir sowohl Querschnittsmaßnahmen – etwa die Förderung einer frühzeitigen Validierung sowie von Clustern und Forschungscampi – als auch spezifische Transferansätze in den Fachprogrammen.

Wir unterstützen eine offene Innovationskultur.

Neue Formen der Zusammenarbeit, wie Ideenwettbewerbe, digitale Plattformen, cloudbasierte Kollaborationsumgebungen oder die Open Source- und Open Data-Bewegung setzen sich in vielen Bereichen durch. Mit digitalen Technologien ist es möglich, in kürzester Zeit große Mengen an Wissen abzurufen und zu teilen.

Sie zeigen neue Wege auf, um Wissen in Wertschöpfung zu übersetzen. Und sie ermöglichen es bislang Unbeteiligten, am Innovationsgeschehen mitzuwirken. Die Bundesregierung wird eine offene Innovations- und Wagniskultur unterstützen, die kreative Ideen gezielt fördert und ungenutzte innovative Potenziale in Deutschland mobilisiert. Die Öffnung von Wissens- und Innovationsprozessen werden wir mit einer breit angelegten Initiative unterstützen – in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Dafür werden wir die Förderung von innovativen Netzwerken weiter intensivieren und themenoffen junge, hochinnovative Zukunftscluster unterstützen.

Wir wollen thematische Lock-ins aufbrechen, branchenübergreifende Ansätze fördern und Zukunftstechnologien erschließen. Wir werden neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, zwischen unterschiedlichen Disziplinen, zwischen Nutzern, Anbietern und Produzenten, zwischen großen und kleinen Akteuren und Strukturen der Zivilgesellschaft unterstützen.

Offene Innovationsformen bergen große ökonomische und gesellschaftliche Potenziale, sie erfordern aber auch geeignete Rahmenbedingungen und einen Kulturwandel. Für viele Unternehmen wird es auch weiterhin darauf ankommen, ihre spezifischen Wissensvorsprünge und Kernkompetenzen zu schützen. Deshalb werden wir zusätzliche Räume schaffen, in denen Unternehmen mit ihren Partnern offen interagieren und neue Schutz- und Verwertungsstrategien erproben können. Neue Campusmodelle, Demonstrationsvorhaben, Innovationslabore, „Reallabore“ und kommunale Experimentierräume sollen Wissenschaft, öffentliche Hand und Wirtschaft das experimentelle Umfeld bieten, sich für neue Wege der Verbreitung und des Austauschs von Wissen zu öffnen und neue Akteurinnen und Akteure in die Innovationsprozesse einzubinden.

Open Access und die Offenlegung von Forschungsdaten tragen zur Transparenz und Reproduzierbarkeit von Forschungsergebnissen bei und befördern die Qualitätssicherung im Forschungsprozess. Wir wollen die Bereitschaft zur Offenlegung von Wissen unterstützen und werden mit einer nationalen Open Access-Strategie weiter darauf hinwirken, Open Access als Standard des wissenschaftlichen Publizierens zu etablieren. Wir werden in unserer Förderung intensiv darauf hinwirken, dass die FAIR-Prinzipien für Forschungsdaten (FAIR data: findable, accessible, interoperable und reusable data) umgesetzt werden. Zudem werden wir uns für eine „Kultur des Daten-Teilens“ sowie für qualitätsgesicherte, standardisierte Datenerhebung und -Auswertung einsetzen. Wir werden uns in Deutschland und in Europa weiter für ein bildungs- und wissenschaftsfreundliches Urheberrecht einsetzen – eine wesentliche Hürde haben wir mit dem Urheberrechts-Wissensgesellschafts- Gesetz im Juni 2017 genommen.

Wir befördern soziale Innovationen.

Unser Innovationsverständnis basiert auf einem umfassenden Innovationskonzept, das technologische und soziale Innovationen gleichwertig in den Blick nimmt und die Gesellschaft als zentralen Akteur einbezieht. Neue Geschäftsmodelle, kreativwirtschaftliche Pionierlösungen, organisatorische Praktiken oder neue Formen des Lernens, Arbeitens und Zusammenlebens können eine größere Wirkmacht haben als einzelne Technologien. Häufig bedingen sie einander. Deshalb werden wir die Forschungsförderung verstärkt für soziale Innovationen öffnen und auf wichtige gesellschaftliche Ziele ausrichten. In Experimentierräumen für soziale Innovationen sollen Innovatorinnen und Innovatoren sowie potenzielle Nutzerinnen und Nutzer zusammenkommen, um beispielsweise neue Formen der sharing economy, neue Finanzierungsmodelle und Verwertungswege, die Einbeziehung bürgerlichen Engagements oder neues Fach-, Management- und Organisationswissen zu erproben und in die praktische Anwendung zu übertragen. Um dem Wandel gerecht zu werden, zielen wir in der Projektförderung auf einen noch größeren Grad an Offenheit für neue Ideen und neue Zielgruppen. Auf diese Weise entstehen soziale Innovationen, die durch neue Praktiken, Organisationsweisen oder Geschäftsmodelle für einzelne Menschen, besondere Zielgruppen, verschiedene Wirtschaftszweige und die gesamte Gesellschaft einen Mehrwert bringen.

Wir fördern die Entstehung und Verwertung von Sprunginnovationen.

Das deutsche Innovationssystem ist sehr gut aufgestellt, um evolutionär Innovationen ausgehend von bestehenden Technologien, Produkten und Dienstleistungen hervorzubringen. Im internationalen Vergleich gibt es aber einen Nachholbedarf bei der Entstehung und wirtschaftlichen Verwertung von Sprunginnovationen, d. h. bei Innovationen, die sich durch eine radikale technologische Neuheit auszeichnen und/oder disruptiv marktverändernd sind. Zur Stärkung des Innovations- und Wirtschaftsstandortes wollen wir deshalb neue, an das deutsche Innovationssystem angepasste Instrumente zur Förderung von Forschungsideen mit Sprunginnovationspotenzial aus der Wissenschaft bis zur Marktreife einführen. Als Antwort auf diese Herausforderung ist im Koalitionsvertrag das Ziel der staatlichen Förderung von Sprunginnovationen verankert. Durch die Förderung sollen neue Wertschöpfung in Deutschland ermöglicht und ein großer gesellschaftlicher Nutzen erzielt werden.

Die Bundesregierung verfolgt zwei Ansätze zur Förderung von Sprunginnovationen. Zum einen wird ein an den in der HTS 2025 formulierten großen gesellschaftlichen Herausforderungen orientierter themen-, disziplin- und technologieoffener Ansatz zur Gründung einer Agentur zur Förderung von Sprunginnovationen verfolgt. Zum anderen konzentriert sich der Ansatz zur Einrichtung einer „Agentur für Innovation in der Cybersicherheit“ an den künftigen Bedarfen für Cybersicherheit im Bereich der gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge und dem Gewinn und Erhalt von Technologie-Souveränität in diesem Bereich.

Die beiden Ansätze werden zwar parallel und institutionell getrennt verfolgt, aber auch nutzenstiftend aufeinander abgestimmt, um Synergieeffekte zu heben. Der Aspekt der Verwertung ist in beiden Initiativen ein wesentlicher Treiber. Die Ansätze werden so ausgestaltet, dass sie für internationale Kooperationen (z. B. mit Frankreich) offen und komplementär zu europäischen Ansätzen sind.

Der Staat als Innovationstreiber.

Die Bundesregierung selbst wird ihre Rolle als Innovationstreiber wahrnehmen. So kann beispielsweise die öffentliche Beschaffung infolge ihres hohen Volumens von mehr als 350 Mrd. Euro pro Jahr wichtige Anreize für mehr Innovationen in der Wirtschaft setzen. Wir wollen daher die Hebelwirkung innovationsorientierter öffentlicher Beschaffung noch besser nutzen und innovativen Unternehmen so den entscheidenden Anschub für eine erfolgreiche Marktdurchdringung geben. Wir werden die Weiterentwicklung eines modernen und nutzerfreundlichen E-Governments intensiv vorantreiben. Offene Daten sind ein wesentlicher Beitrag der Verwaltung auf dem Weg zur digitalen Gesellschaft. Zahlreiche Beispiele zeigen schon heute, wie durch die Verknüpfung offener Verwaltungsdaten mit anderen Daten innovative Dienstleistungen und Produkte entwickelt werden können. Zugleich tragen offene Verwaltungsdaten dazu bei, Entscheidungsprozesse transparenter zu machen und das Vertrauen in die Verwaltung zu steigern. Noch nie wurden so viele Daten von der Verwaltung bereitgestellt wie heute. Dort, wo der Staat über offene Verwaltungsdaten verfügt, wird er den strukturierten Zugang zu diesen Daten ermöglichen.

Zu einem starken Forschungs- und Innovationsstandort gehört auch ein regulatives Umfeld, das Innovationsoffenheit in vorgesehenen Folgenabschätzungen einbezieht. Hier setzt das Innovationsprinzip an. Es beinhaltet, dass bei der Ausarbeitung und Überprüfung von Rechtsvorschriften in allen Bereichen immer auch die potenziellen Auswirkungen auf Forschung und Innovation hinreichend berücksichtigt werden.

Unsere Mission: Neue Quellen für neues Wissen.

Neue Wege der gemeinsamen Ideenfindung und neue Formen, Wissen zu erwerben und zu teilen, ermöglichen die Neugestaltung und Öffnung von Innovationsprozessen. Wir werden gemeinsam mit Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft darauf hinarbeiten, dass die Möglichkeiten von Open Access, Open Science, Open Data und Open Innovation umfassender genutzt werden. Auf diese Weise wollen wir effektivere Lösungen für gesellschaftliche und technologische Herausforderungen entwickeln und auch unseren Unternehmen schnelleren Zugang zu neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen ermöglichen. Dafür werden wir den Anteil an Open Access Veröffentlichungen in der Wissenschaft signifikant erhöhen und mit einer verstärkten Förderung die Zahl neuer, offenerer Kooperationsformen von Unternehmen wie auch von Akteuren der Zivilgesellschaft mit Einrichtungen der Wissenschaft deutlich steigern. Erfolgsbeispiele wollen wir einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Unser Ziel ist es, durch kluge Vernetzung dazu beizutragen, dass sich Wissen und gute Ideen in unserem Land entfalten können.